Unternehmensstrategien ändern sich immer schneller – Mitarbeiter sind davon oft überfordert. Eine Marktlücke für Kommunikationsberater.
Wandel im Bild

Von der Rocky-Mountains-Gebirgskette fallen Felsbrocken bedrohlich in die Richtung der Amtsstuben. Auf den Gesteinsbrocken, die von einer Schlammlawine mitgerissen werden, stehen Schlagwörter wie Globalisierung, Technologie, und Aktionärs-Forderungen.

DÜSSELDORF. Was aussieht wie eine Mischung zwischen Brettspiel und Comic, ist in Wahrheit bedeutender Teil eines Mitarbeiter-Seminars bei der General Motors-Tochter Opel in Rüsselsheim. Die Felsstücke symbolisieren die Kräfte des Wandels, die die bisherige Organisation der Personalabteilung zerstören und sie in Richtung Zukunft drängen. Den Weg in die Zukunft teert ein als Amerikaner erkennbarer Arbeiter, allerdings mit Computer-Platinen. Übernahmen und Fusionen, aber auch interne Umstrukturierungen stellen Mitarbeiter in vielen Unternehmen vor neue Herausforderungen - und überfordern sie oft.

Die amerikanische Agentur für Unternehmenskommunikation Root Learning hat die Marktlücke erkannt und versucht mit so genannten "Lern-Karten" den Wandel im Unternehmen bildlich darzustellen. Zu ihren Kunden gehören Firmen wie Lufthansa, die Dresdner Bank, General Motors und McDonald?s.

"Menschen lernen visuell", sagt Don MacLean, für das internationale Geschäft von Root Learning zuständig. Er war mit verantwortlich für das Projekt bei Opel. Gemeinsam mit dem Management arbeiten Berater von Root Learning Bilder und Karten aus, die Mitarbeitern den Wandel in ihren Unternehmen erklären sollen, und zwar so, dass es vom Management bis zum Fließbandarbeiter jeder versteht.

Kapitalströme sind Flüsse, die Liquidität fließt aus dem Cash Pool, bildlich als See dargestellt, in die verschiedenen Geschäftszweige des Unternehmens oder in das Bankgebäude ab. Eine Brücke führt von der Gegenwart in die Zukunft. Und je nachdem, für welches Land die Karte gedacht ist, wird Kleidung und Landschaft angepasst.

"Wir kreieren eine Metapher, mit der wir eine Diskussion anregen", erklärt MacLean. Die Bilder sollen die Mitarbeiter motivieren, sich mit ihrem Umfeld auseinanderzusetzen.

Waldemar Kleinert, Leiter der Personalabteilung bei Opel in Rüsselsheim hat der Ansatz gefallen. "So etwas Visualisiertes habe ich bisher nicht erlebt", sagt er über seine Erfahrung mit den Karten von Root Learning. Die bildliche, comicartige Darstellung habe geholfen, das Thema besser zu verstehen.

Die Deutschen sind zwar bei solch amerikanischen Ansätzen eher skeptisch - die Karten müssen konservativer aussehen als bei Amerikanern. Es seien aber leichter Gespräche entstanden als ohne Karten, sagt Kleinert. Er findet, dass die Rocky Mountains-Karte sehr gut dargestellt, wie sich die Personalabteilung von der Verwaltung mit Ablagen und Eingangsstempel zum aktiv gemanagten Prozess mit Universitäts- und Messebesuchen wandelt. Auf der Karte konnte man an den Menschen mit Handys und Computer, die zuhause sitzen, erkennen, dass die Telearbeit auch in der Personalarbeit eine wichtige Rolle spielen wird.

Bei der Dresdner Bank sollte Root Learning den Mitarbeitern die neue Strategie der Bank nach zwei misslungenen Fusionen und vor der Übernahme durch die Allianz erklären. Dafür wurden 16 000 Mitarbeiter in neuen Konferenzzentren und Messehallen zusammengetrommelt. Simultan lernten sie in Kleingruppen die neue Ausrichtung der Bank kennen - und auch die Gründe für den Stellenabbau und wie er von statten gehen wird.

Bei Lufthansa sollte die Beratung vor ein paar Jahren darstellen, wie sich die Deregulierung im Luftverkehr auf die Mitarbeiter auswirkt. Und für die Deutsche Bank hat Root Learning vor einem knappen Jahr das Privatkundengeschäft erklärt. Brian Hacket, Experte für Capability Management beim amerikanischen Industrieverband Conference Board, sagt, dass die bildliche Darstellung vor allem am Anfang wichtig ist, um die Diskussion ins Rollen zu bringen. "Sie hat keine langfristige Wirkung, sondern dient als Anstoß", erklärt Hacket.

Als sehr gute Methode bezeichnet er auch das sogenannte Open Book Management. Die Methode erklärt den Mitarbeitern ebenfalls wie das Unternehmen funktioniert und ermöglicht ihnen täglichen Einblick in die Bücher oder Daten der Firma.

Root Learning sei zudem nicht das einzige Unternehmen, dass bildliche Darstellungen anbietet, meint Hacket. Die Sicht des Managements den Mitarbeitern näher zu bringen haben sich auch andere Agenturen zum Ziel gesetzt - mit oder ohne Bilder. So hat die amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines im vergangenen Jahr Banner McBride, die Arbeitsplatz-Kommunikations-Tochter der zur WPP Gruppe gehörenden Hill & Knowlton-Agentur, angeheuert. Sie sollte den Mitarbeitern das neue Image der Airline inklusive verändertem Logo näher bringen. Und der Mobilfunk-Dienstleister Nextel Communication hat sich an die PR-Agentur Porter Novelli gewandt, die zur New Yorker Omnicom Group gehört. Die Agentur sollte die Geschäftsstrategie für die kommenden drei Jahre vermitteln.

Für die Unternehmen zahlt sich die verstärkte Kommunikation aus. Experten sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Kommunikation, Leistungssteigerung der Mitarbeiter und höherem Umsatzwachstum.

Davon ist auch Root Learning überzeugt. In der Zukunft wird entscheidend sein, wie schnell sich Unternehmen der Änderung ihres Umfelds anpassen können, glaubt MacLean. Vor allem in Europa vollziehe sich derzeit ein atemberaubender Wandel. "Es geht nicht um groß oder klein, sondern um schnell oder langsam. Nur die Unternehmen, die mit dem Tempo Schritt halten können, werden überleben", sagt er.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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