Unternehmenszahlen des dritten Quartals entscheiden über den weiteren Verlauf
"Am Neuen Markt ist das Schlimmste überstanden"

Ungeachtet der jüngsten Kurseinbrüche am Neuen Markt erwartet der Aktienstratege Jörg Bungeroth von der DG Bank deutlich höhere Kurse zum Jahresende.

dpa-afx FRANKFURT. "Nach einer Welle von negativen Nachrichten ist nun das Schlimmste überstanden", sagte der Börsenexperte. Sollten bei den anstehenden Quartalsberichten keine negativen Überraschungen auftauchen, sei wieder mit deutlich höheren Kursen zu rechnen.

"Zum einen liegt zwischen 4.000 und 4.100 Punkten eine massive Unterstützungszone und zum anderen dürften vorläufig sämtliche schlechte Nachrichten verbraucht sein", erläuterte Bungeroth. Der Markt habe nur auf die Negativmeldungen geschaut und positive Nachrichten völlig ignoriert.

Entscheidend seien nun die Unternehmenszahlen für das dritte Quartal. Durch die Gewinnwarnungen von Marktschwergewichten in den USA und am Neuen Markt sei die Unsicherheit der Anleger in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Die anstehenden Zahlen würden nun für Klarheit sorgen. Da an der Börse die Gewinn- und Umsatzprognosen von hoher Bedeutung sind, achte der Markt sehr genau auf die anstehenden Daten.

Da bei Wachstumswerten historische Vergleichsdaten fehlen, würden diese Unternehmen durch besondere Bewertungskriterien eingestuft. Dazu würden vor allem Gewinnerwartungen, die teilweise weit in der Zukunft liegen, herangezogen. "Verfehlt ein Unternehmen seine eigenen Prognosen, sinkt das Vertrauen der Anleger." Fraglich bleibe, ob die Ziele weiterhin eingehalten werden könnten. Je größer die Hoffnungen und Fantasien, die sich um ein Unternehmen ranken seien, desto stärker werden die Aktien bei Enttäuschungen abgestraft. "Die Börse spielt eine Idee", sagte Bungeroth. Und Quartalszahlen dienten dabei als Indiz ob diese Idee weithin stimmt.

'Bewertungsmethode verstärkt Kursrutsch"

Der heftige Kursrutsch am Neuen Markt in den vergangenen Wochen erkläre sich auch aus der am Neuen Markt verwendeten Bewertungsmethode. Durch die so genannte PEG-Ratio, die meist für Firmen verwendet werde, die noch keine Gewinne machten oder ihren maximal möglichen Ertrag in später Zukunft sähen, schlügen sich enttäuschte Hoffnungen extrem stark nieder.

Um den Aktienkurs von jungen Technologiewerten einzuschätzen, werde vor allem das Kumulierte Durchschnittliche Jährliche Gewinnwachstum (CAGR) und die so genannte PEG-Ratio verwendet. Die PEG-Ratio ergibt sich aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geteilt durch das CAGR. Liegt der errechnete Wert unter 1 ist die Aktie unterbewertet und bei einem Wert größer als 1 überbewertet. Korrigiert ein Unternehmen nun seine Gewinnprognosen, ändere sich die gesamte Bewertung für die Anteilscheine, erklärte der Aktien-Stratege . Aus einem "Fair bewertet" könne so sehr schnell ein über "Überbewertet" werden.

"Goldrausch" und "rasierte Kleinanleger"

Privatanlegern rät Bungeroth, sich nicht auf eine bestimmte Branche festzulegen, sondern jeweils die Marktführer heraus suchen und diese mit ihren Konkurrenten vergleichen. Die Umsatzentwicklung, der Kursverlauf und die Frage, ob das Unternehmen seine selbstgesteckten Ziele erreicht hat, seien wichtige Fragen für interessierte Anleger. Besonders nach den stark zurückgekommen Kursen am Neuen Markt könnten Anleger langsam neue Positionen aufbauen. Als aussichtsreiche Kandidaten sieht Bungeroth besonders Computerlinks, International Media , PSI und Rhein Biotech . "Die Chancen für einen Einstieg sind zur Zeit gut", fügte der Experte hinzu. Zwar sei die Stimmung am Markt im Augenblick sehr schlecht, dies sei aber auch als Kontraindikator zu deuten. Als die "Bild" im März vom "Goldrausch" sprach, war dieser bereits vorbei. Und am gestrigen Dienstag habe die "Bild" von "Börsenpanik" und "rasierten Kleinanlegern" geschrieben. Eigentlich sei dies ein gutes Zeichen, kommentierte der Experte

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