Unternehmensziel: "Die frohe Botschaft verkünden
Ex-Daimler-Manager Dolde als Präsident des Evangelischen Kirchentags

ap FRANKFURT/MAIN. Schwungvoll streicht er auf seiner Visitenkarte seine Geschäftsadresse bei Daimler-Chrysler durch - "Das ist jetzt vorbei", sagt Martin Dolde. Vor acht Wochen hat sich der 59-jährige Stuttgarter von seinem Job als Leiter der Logistik in die Altersteilzeit verabschiedet, um sich ganz dem Evangelischen Kirchentag zu widmen: Dolde steht als Präsident an der Spitze der fünftägigen Mammutveranstaltung, die ab (kommendem) Mittwoch 100 000 Besucher nach Frankfurt am Main locken soll.

Statt Gewinnmaximierung heißt jetzt sein Unternehmensziel: "Die frohe Botschaft verkünden". Da hapere es gewaltig in der Kirche: Ihre Sprache sei schon längst nicht mehr verständlich. Damit sei auch die Zukunftsfähigkeit des "Unternehmens" gefährdet. Gern verweist der Schwabe auf seine Erfahrung aus der Zeit bei DaimlerChrylser, wo er 1 100 Mitarbeiter führte: Dort habe er gelernt, "wie wichtig es ist, dass Mitarbeiter in knappen Worten sagen können, was ihre Ziele sind".

"Die Leute da abholen, wo sie sind", könnte eines seiner Credos lauten und deshalb hofft er auf eine gute Atmosphäre am ersten Abend des Kirchentags, der traditionell als Abend der Begegnung mit der gastgebenden Stadt gefeiert wird. "Wird es nur ein Gedränge sein oder wird hier der Funke überspringen und eine freundliche, fröhliche, einladende Atmosphäre entstehen?", sei die spannende Frage, denn das wirke sich auch auf die dann folgenden "Arbeitstage" des Christentreffens aus.

An denen geht es dann zur Sache, wenn nach der morgendlichen Bibelarbeit über die Hauptthemen Glaube, Geld, Gentechnik und Flughafenausbau diskutiert wird. "Da nimmt dieser Eventcharakter dann von alleine ab", sagt Dolde. Und das ist er sich auch schuldig: Hat er sein Amt doch auch angetreten, in der Hoffnung, "in der Gesellschaft und in der Kirche doch das eine oder andere verändern zu können".

"Viele traurige Abendmahlsfeiern"

In die zähen theologischen Auseinandersetzungen über die Form des umstrittenen Feierabendmahls am Freitagabend mischt sich der studierte Maschinenbauer nur vorsichtig ein: "Ich bin Ingenieur und für Logistik zuständig, nicht für Theologie", sagte er bei einer der Diskussionen mit der Basis in unverkennbar schwäbischem Akzent und erntet dafür Beifall. Aber auch das Ritual Abendmahl müsse, wie die frohe Botschaft, den Menschen wieder nahe gebracht werden. Weil er schon so viele traurige Abendmahlsfeiern erlebt habe, halte er die Verknüpfung des Rituals mit einem richtigen Essen, bei dem man satt werde und nicht nur eine Hostie esse, für eine gute Sache, die wichtige Impulse geben könne.

Immerhin habe auch Jesus laut Überlieferung mit seinen Jüngern eine richtige Mahlzeit zu sich genommen, argumentiert er, und dabei leuchten seine Augen im runden Gesicht. "Wenn es gelingt, die Verbindung des Sättigungsmahls mit einem rituellen Mahl wieder herzustellen, dann hat sich Frankfurt gelohnt", erklärt er bei einer Vorbesprechung in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche.

Dass es Katholiken aufgrund dieses schillernden Übergangs offiziell verboten ist, an dem Mahl teilzunehmen, und damit die Unterschiede zwischen den beiden Konfessionen ausgerechnet vor dem ersten ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 deutlicher denn je zu Tage treten, damit kann Dolde leben: "Wir haben uns vor dem Hintergrund Berlin nicht zurückgehalten. Ich empfinde das als unsere protestantische Freiheit."

Auch die Kritik der evangelischen Amtskirche an einer Formulierung beim Feierabendmahl hält er für einen kirchentagsgemäßen Prozess. "Der Kirchentag ist eine Laienbewegung, da kann es durchaus zu gesunden Spannungen mit der Amtskirche kommen." In dieser mit so viel Herzblut diskutierten Frage hält es Dolde am liebsten mit der schwäbischen Bodenständigkeit: "Haltet Euch gegenseitig fest", zitiert er bibelfest den Apostel Paulus am Ende einer mehrstündigen Auseinandersetzung über das Abendmahl mit der Basis: "Aber wie sagt man im Schwäbischen: 'Man kann sich umarmen, man sich aber auch verschütteln'".

Ökumenischer Kirchentag in Berlin

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