Unternehmer gewinnt Bürgermeisteramt
Michael Bloomberg will New York neu aufbauen

New York hat sich für den Milliardär Michael Bloomberg als Nachfolger des Bürgermeisters Rudolph Giulianis entschieden. Der Medien-Unternehmer übernimmt damit eine extrem schwierige Aufgabe.

NEW YORK. "Als die Kriminalität hoch war, brauchte man einen Mann wie Rudolph Giuliani. Jetzt, wo die Wirtschaft in der Krise steckt, braucht man einen Mann aus der Wirtschaft." Das war das Credo von Michael Bloomberg während seines Wahlkampfs um das New Yorker Bürgermeisteramt. Die Wähler waren seiner Meinung: Mit 51 % besiegte er seinen Konkurrenten, den Demokraten Mark Green, der auf 47 % kam.

Bloomberg, der den gleichnamigen Finanzinformationskonzern gegründet hatte, übernimmt damit am 1. Januar als 108. Bürgermeister New Yorks die Führung einer extrem verunsicherten Stadt. Die Menschen haben die Terrorattacken des 11. September noch nicht verdaut und leben weiterhin mit der Angst vor dem Bioterrorismus, der sich in Form von Milzbrand auch in New York zeigt. Wirtschaftlich hat die Zerstörung des World Trade Centers die US-Finanzhauptstadt in einer ohnehin drohenden Rezession in eine noch schwerere Krise gestürzt.

Damit nicht genug: Bloomberg tritt in die übergroßen Fußstapfen von Rudolph Giuliani, der in der amerikanischen Öffentlichkeit als Nationalheld gefeiert wird. "Rudy", der Held der Krise, hatte zunächst nach Wegen gesucht, selbst für ein drittes Mandat anzutreten, was ihm die Verfassung jedoch untersagt. Dann entschied er sich, Bloomberg zu unterstützen, der erst vor einem Jahr von den Demokraten zu den Republikanern gewechselt war, da seine Chancen in den Vorwahlen dort deutlich besser waren. Bloomberg, der 50 Millionen Dollar in seine Kampagne steckte, zeigte in Fernsehspots immer wieder den prominenten Mitstreiter.

Das Motto der Bloomberg-Kampagne war klar: Wer ein Unternehmen leiten kann, kann auch eine Stadt wie New York führen. "Wir werden eindeutig enorme Probleme haben", räumte Bloomberg am Morgen nach seiner Wahl ein. Rund 100 000 New Yorker haben in den vergangenen Monaten ihren Job verloren. Und der neue Bürgermeister wird mit einem Loch im Haushalt von mehreren Milliarden kämpfen müssen. Er versprach, sich als Bürgermeister zuerst der ökonomischen Wiederbelebung zu widmen, die Abwanderung von Unternehmen zu verhindern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Dabei setzt er auf die Kräfte des freien Marktes. Beim Wiederaufbau des World Trade Centers will er Privatunternehmern freie Hand lassen. Auch in der Bildungs- und Gesundheitspolitik vertritt der Unternehmer privatwirtschaftliche Ansätze. Er kündigte an, dass er die Steuern nicht erhöhen wird, aber einen Einstellungsstopp verhängen und die Kosten senken will.

Als Bürgermeister muss Bloomberg vor allem um die Stadt New York als Finanzzentrum der USA und der Welt kämpfen. Denn die Anschläge auf das World Trade Center zentraler Finanz haben nicht nur die Wall Street zum ersten Mal in der Geschichte für vier Handlungstage lahm gelegt. Sie haben auch viele Finanzunternehmen zumindest temporär aus der Stadt vertrieben. Während einige Banken zum Teil aus Hotels arbeiten, haben sich andere außerhalb New Yorks im Bundesstaat New Jersey oder im Norden der City eingerichtet. Und je länger die Arbeiten im Süden Manhattans andauern, umso unwahrscheinlicher wird es, dass sie mit der kompletten Besatzung wieder in den Finanzdistrikt ziehen.

Hier muss Bloomberg seine Nähe zur Finanzwelt nutzen, bei ehemaligen Kollegen und Kunden seines Bloomberg-Nachrichtendienstes für Manhattan die Werbetrommel rühren, wenn er die führende Rolle der Stadt aufrechterhalten will.

Die Verlegung des von Charles Schwab ins Leben gerufene Weltwirtschaftsforum aus Davos nach New York dürfte ihm dabei entgegenkommen. Auch will Bloomberg das neue partei- und rassenübergreifende Gemeinschaftsgefühl der New Yorker nutzen. "Was ich sicherstellen muss, ist, dass jeder das Gefühl hat, dass diese Regierung für sie da ist", sagte er.

Noch zwei Wochen vor der Wahl hatte der Politprofi Green mehr als 10 % vor Bloomberg gelegen. Bis dahin gestaltete sich das Rennen im Schatten der Tragödie vom 11. September äußerst zivil. Entscheidend für die Wende zu Gunsten Bloombergs war offenbar die Unterstützung von Giuliani.

Den New Yorkern ging es laut Umfragen bei der Wahl vor allem um Führungsqualitäten. "Die Wahl hat sich am 11. September verändert, und plötzlich war das Thema Nummer Eins Führungsqualität", erklärt Ross Sandler an der New York Law School. Und so kündigte der frisch gekürte Bürgermeister an, er wolle "Anführer, nicht Politiker" sein. Vor allem bei den Wählern, bei denen Jobs und die Wirtschaft oben auf der Prioritätenliste standen, kam Bloomberg gut an. Als Referenz konnte er auf seine persönliche Erfolgsgeschichte verweisen: Sein Privatvermögen ist im Lauf der vergangenen 20 Jahre auf geschätzte vier Milliarden Dollar angewachsen. Daher wird er der Stadt New York finanziell nicht zur Last fallen, sondern sich mit einem symbolischen Jahressalär von einem Dollar begnügen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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