Unternehmerin im Alter von 81 Jahren gestorben
Beate Uhse: Die Grande Dame der Erotik

Die Bundesbürger hatten mit Hilfe von Care-Paketen gerade ihren ersten großen Hunger gestillt, da kam in Flensburg eine clevere Jung-Unternehmerin auf die Idee, sich ein weiteres Grundbedürfnis der Menschen zunutze zu machen. Vermehrt lieferten Briefträger in den Nachkriegsjahren Päckchen ab, deren Inhalt damals von vielen sittenstrengen Staatsanwälten noch als "Schweinkram" bezeichnet, von der ehemaligen Luftwaffenpilotin Beate Uhse aber zu einer Art Lebenshilfe erhoben wurde. Das "Grundbedürfnis Sex" zu befriedigen, wurde zur Lebensaufgabe der Tochter einer Ärztin und eines Landwirts.

afp FLENSBURG. Im Alter von 79 Jahren präsentierte die quirlige Unternehmerin im Mai 1999 stolz die weltweit erste Erotik-Aktiengesellschaft, die an der Börse notiert wurde. Sie starb jetzt im Bewusstsein, ihr Haus geordnet zu hinterlassen: Europas größter Sexkonzern konnte kurz vor ihrem Tod einen Jahresumsatz von über 300 Millionen Mark melden.

Der unglaubliche Aufstieg der Unternehmerin begann 1946 in Flensburg mit einer kleinen Aufklärungsbroschüre über Geburtenregelung nach der Knaus-Ogino-Methode, die so genannte "Schrift X". In Deutschlands nördlichste Großstadt hatte es sie im April 1945 verschlagen. Mit ihrem kleinen Sohn an Bord war sie mit der letzten noch flugtüchtigen Maschine aus dem eingekesselten Berlin nach Schleswig-Holstein geflogen. Ihr Mann, der Staffelkapitän Hans-Jürgen Uhse, war 1944 im Krieg gefallen.

Beate-Uhse-Shops wurden zu Publikumsmagneten

Mit viel Organisationstalent und Marktgespür entwickelte die junge Frau in den nächsten Jahren aus einem kleinen Eigenverlag ein Unternehmen, das inzwischen fast jeder Bundesbürger kennt. 1951 wurde das "Versandhaus Beate Uhse" in das Handelsregister Flensburgs eingetragen, und seitdem freuen sich die Stadtväter über gute Steuereinnahmen. 1952 beschäftigte die inzwischen mit dem Kaufmann Uwe Rotermund verheiratete Geschäftsfrau gerade einmal sechs Mitarbeiter, heute sind es über 600 in Deutschland und viele weitere im Ausland. Schon 1960 gab es rund eine Million Uhse-Kunden. Der Schwerpunkt lag zunächst auf dem Kataloggeschäft. Schon zwei Jahre später eröffnete sie den ersten Sex-Shop der Welt. Die neuen Läden wurden in den folgenden Jahren zu regelrechten Publikumsmagneten.

Nach der Gründung der Aktiengesellschaft verschloss sich die Unternehmerin auch nicht dem neuesten Trend: 20 Prozent ihres Versandhandelsgeschäftes werden mittlerweile über das Internet abgewickelt. Von der Online-Präsenz versprach die alerte Unternehmerin einen weiteren Schub für ihr Geschäft, erlaubt dieses Medium doch den Kunden, ungestört und diskret die Angebotspalette von Dessous über Sex-Bücher und Videos bis hin zu diversen erotischen Hilfsmitteln zu durchstöbern. Die Staatsanwälte hatten es trotz der stattlichen Zahl von mehr als 2000 Strafanzeigen in den vergangenen Jahrzehnten nur einmal geschafft, dass die Unternehmerin in letzter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Beate Uhse blieb bis ins hohe Alter fit

Trotz einer Magenkrebsoperation in den 80er Jahren blieb Beate Rotermund auch bis ins hohe Alter körperlich fit. Eisern bemühte sie sich um ein gutes Handicap beim Golfen, unbedingt wollte sie das auch von zahllosen jüngeren Golfern vergeblich angestrebte Handicap 24 erreichen. Tennis spielte sie jahrzehntelang mit großer Begeisterung, und als sie schon weit über 70 Jahre alt war, begann sie noch einen Tauchkurs. Bei der Suche nach einem gleichaltrigen Partner tat sie sich entsprechend schwer. Viele ihrer männlichen Altersgenossen könnten ihr Tempo nicht mehr mithalten, beklagte sich die Firmenchefin in einem Interview. "Und wenn sie noch fit sind, suchen sie sich eine junge Frau mit dickem Busen und glatter Haut", fügte sie spöttisch hinzu.

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