Unterschiede beim Studienangebot
Akademiker in Bayern Mangelware

Das Studienangebot in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich entwickelt. So muss Bayern heute jährlich 4 400 Nachwuchs-Akademiker aus anderen Bundesländern oder dem Ausland "importieren", um den Fachkräftebedarf der eigenen Wirtschaft zu decken.

dpa BERLIN. Ursache dafür sei die viel zu geringe eigene Ausbildung von Studenten und auch Abiturienten, heißt es in einer Untersuchung des Bildungsforschers Klaus Klemm (Essen). Aber auch die ostdeutschen Hochschulen entlassen zu wenig Absolventen gemessen am aktuellen Eigenbedarf der neuen Bundesländern.

Besonders Bayern profitiere von der Ausbildungsleistung anderer Bundesländer, vor allem der Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens, heißt es in der Studie. Auch Rheinland-Pfalz und Bremen bilden deutlich mehr Studenten über den eigenen Fachkräftebedarf hinaus aus. Der Forscher: "Wenn Bayern seinen Akademikerbedarf selbst decken wollte, müsste es eine Universität von der Größe der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität zusätzlich betreiben". Die Kosten dafür betrügen jährlich etwa zweihundert Mill. ?.

Nach Auffassung von Klemm werden die sich heute bereits auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt zu beobachtenten Mangelerscheinungen bei Ingenieuren, Computerfachleiten, Ärzten und neuerdings auch bei Lehrern weiter verschärfen. Neben dem Trend zu immer höherer Qualifikation in vielen Berufen komme hinzu, dass in den nächsten Jahren besonders "starke" Akademikerjahrgänge aus Altersgründen in Pension gingen. Der Wissenschaftler hat für die Untersuchung aktuelle Zahlen der Hochschulprüfungen sowie Bevölkerungs- und Arbeitsmarktstatistiken über Beschäftigungsstruktur und Fachkräftebedarf in den einzelnen Bundesländern ausgewertet.

Geringere Studierneigung im Osten

Das bayerische Wissenschaftsministerium sagte dazu, niemand könne "ernsthaft einen Schaden für Deutschland darin sehen, dass in Bayern ein gutes Angebot an hochwertigen Arbeitsplätzen besteht, von dem auch die Menschen in den anderen Ländern der Bundesrepublik profitieren". Ziel seien "weltoffene und internationale Hochschulen". Niemand könne deshalb beanstanden, wenn Studierende aus Bulgarien, Äthiopien, der Türkei und eben auch aus Schleswig- Holstein oder aus Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern kommen.

Bayern bildet bei der Bildungsbeteiligung das Schlusslicht in Deutschland. Pro Altersjahrgang erwerben dort 29 % das Abitur oder die Fachhochschulreife. Bundesweit sind dies 36 %. Die internationale Durchschnittsquote der Industriestaaten liegt dagegen bereits bei 57 %. Bei der Studie ist berücksichtigt, dass Bayern eine große Zahl von Abiturienten aus anderen Bundesländern an seinen Hochschulen ausbildet. Wenn Bayern seine Hochschulen nicht mit diesem "Abiturienten-Import" aus anderen Bundesländern auffüllen würde, stünden noch weniger Akademiker für die Wirtschaft des Landes zur Verfügung, sagte Klemm.

Die neuen Bundesländer "importieren" der Untersuchung zufolge insgesamt jährlich 2 200 Akademiker aus dem Westen. Die sich hinter dieser Zahl verbergende "Ausbildungsschwäche" der Ost-Hochschulen ist nach Aussage von Klemm nicht Folge einer zu geringen Absolventenquote der dortigen Schulen. Ursache sei vielmehr die im Osten im Vergleich zum Westen immer noch geringere Studierneigung der Abiturienten, die sich allerdings jetzt leicht verbessert hat.

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