Unterschiedlich in Charakter und Spielanlage
Schweigen und treffen

Die Bremer Ailton und Klasnic reden nicht miteinander, sind aber das erfolgreichste Sturm-Duo der Bundesliga.

BREMEN. Beim Anstoß würdigen sie sich keines Blickes. Ailton, erfolgreichster Stürmer der FußballBundesliga, der sich vor jedem Anpfiff bekreuzigt, schaut auf seine bunten Schuhe, dann schiebt er den Ball zur Seite. Sturmkollege Ivan Klasnic nimmt den Ball auf und spielt zurück. Automatisch laufen die beiden in Position. Ailton trabt links-mittig Richtung Zentrum, Klasnic nimmt mehr Tempo auf und zeigt, was seine Aufgabe ist: sich bewegen, sich anbieten, sich positionieren. Sein Weg führt ihn oft vom Strafraum weg, zu den Mittelfeldspielern hin, um Räume zu schaffen. Mal weicht er bis zur linken Außenlinie aus, mal stößt er in die Spitze, schraubt sich in die Luft. In diesen Szenen bewegt sich auch Ailton, der lauernde, stets für den kurzen Sprint bereite Angreifer.

Das Spiel ist oft 20, 30 Minuten alt, dann haben die beiden immer noch kein Wort miteinander gesprochen. Ailton redet mit sich selbst, Klasnic bevorzugt Gestik und Mimik - nonverbale Kicker-Kommunikation. Das Verständnis untereinander ist ausgeprägt. Zusammen haben sie 38 (Ailton 26, Klasnic 12) der 73 Bremer Tore erzielt. Ailton hat acht, Klasnic elf Tore vorbereitet. Die beiden Stürmer, die zuvorderst mit links ihre Tore schießen, sie suchen und sie finden sich. Ailton hat dem Kroaten vier, Klasnic dem Brasilianer gar acht Treffer aufgelegt.

Oft reicht ein kurzes Handzeichen, das meist Ailton gibt. Er will den Ball in den Lauf, nicht auf den Kopf. Bei Klasnic ist es oft umgekehrt. Die Mittelfeldspieler wissen um diese Vorlieben. Flache, schnelle Vorlagen für Ailton, hohe Flanken, schwierig verwertbare Vorgaben für Klasnic. Denn im Gegensatz zum oft divenhaften Kollegen, der die Hände hebt, wenn ihm der Ball nicht in den Lauf gepasst wird, setzt der nach, grätscht, kämpft. Manchmal steht Ailton dann 40 Meter entfernt und klatscht. Er weiß, dass ihn, den sensibleren Torproduzenten, zuerst Klasnic nach vergebenen Chancen aufmuntert. Nach Ailtons zwei Toren gegen Köln hat Klasnic ihm sogar die Schuhe geküsst.

Sie sind so unterschiedlich in Charakter und Spielanlage, dass dies die Stärke der Bremer Offensive ausmacht. Privat gehen der Farmersohn aus Nordbrasilien und der gebürtige Hamburger getrennte Wege. Individualist Ailton bevorzugt südamerikanische Bars und Freunde. Teamspieler Klasnic geht mit Kollegen in Szene-Kneipen. Doch eines ist gewiss: Klappt es am Samstag beim Spiel beim FC Bayern mit dem Titel, wird sich das ungleiche Paar in den Armen liegen.

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