Unterschiedliche Auffassungen
D. Logistics entlässt Vorstand

Der Aufsichtsrat des Logistikdienstleisters D.Logistics hat drei Wochen nach der Umbesetzung des Vorstands den Chef des Gremiums sowie zwei weitere Vorstände abberufen und den alten Vorstandschef Detlef Hübner wieder an die Spitze der Firma bestellt.

Reuters FRANKFURT. Gemeinsam mit dem ebenfalls in den Vorstand berufenen Gründungsgesellschafter Heinz Fey habe Firmengründer Hübner rund fünf Mill. Euro bereit gestellt und damit den Liquiditätsengpass behoben, sagte eine Firmensprecherin am Dienstag. "Das Problem ist gelöst. Das Geschäft kann normal fortgeführt werden." D.Logistics führe weiter Gespräche mit Banken, das gehöre aber zum normalen Tagesgeschäft. Die im Nemax 50 notierte Aktie stieg zeitweise über 40 %.

Zuvor hatte D. Logistics mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat den erst Anfang Februar eingesetzten Vorstandschef Ernst Gumrich sowie die Vorstände Hans Kröger und Lucia Mathée von ihren Aufgaben entbunden habe. Dieter Hey verbleibe im Vorstand.

Neubesetzung wegen unterschiedlicher Firmenphilsophie

D. Logistics begründete den Wechsel im Vorstand mit unterschiedlichen Auffassungen über die Zukunft und den Wert der Firma. Es seien Mitglieder des alten Teams zusammengerufen worden, die das Unternehmen gut kennen und es so führten, wie Hübner sich das vorstelle, sagte die Sprecherin. Die Zusammenarbeit mit Gumrich habe nicht wie erhofft funktioniert. "Es gab eine Fülle von Gründen, die zu dieser massiven Veränderung im Vorstand geführt haben."

Einer, wenn auch nicht der entscheidende, sei das Vorgehen im Zusammenhang mit dem Liquiditätsengpass von D.Logistics gewesen, sagte sie. Die Altgesellschafter hätten Geld zur Verfügung stellen wollen, der damalige Vorstand habe jedoch das Gespräch mit Banken gesucht. Das sei nicht im Sinne aller Beteiligten gewesen. Vergangene Woche gab D.Logistics bekannt, wegen eines Liquiditätsengpasses im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich mit Banken über eine Finanzierung zu verhandeln.

DSW-Sprecherin kritisiert Personalpolitik



Petra Krüll, Sprecherin der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), kritisierte die Personalpolitik von D.Logistics. "Wenn ein Unternehmen einen Gründer und Chef durch jemanden anderes ersetzt, dann geht man davon aus, dass dies zuvor gründlich durchdacht wurde. Die schnelle Änderung der Personalpolitik spricht in diesem Fall nicht für überlegtes Handeln", sagte sie. Der ehemalige Vorstandschef der Degussa-Tochter dmc² Gumrich hatte erst am 7. Februar Unternehmensgründer Detlef Hübner als Vorstandschef beerbt. Hübner besitzt nach Angaben von Anfang Februar umgerechnet 35,45 % an der Gesellschaft.

Aktie steigt über 40 Prozent

Die im Nemax 50 notierten Aktien des Unternehmens reagierten auf die Entscheidung bei hohen Umsätzen mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als 41 % auf 2,72 Euro. Es gebe "wilde Spekulationskäufe", sagten Händler. Offenbar erhoffe sich der ein oder andere Anleger eine Verbesserung der Lage der Firma mit Hübner als Unternehmenslenker.

Die Papiere hatten in den vergangenen Wochen unter Druck gestanden und allein am 18. Februar, als D. Logistics die Verfehlung der Ergebnisprognosen für 2001 einräumte, rund 45 % an Wert verloren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%