Unterschiedliche Aussagen über mögliche Kaufhaus-Schließungen
Karstadt: Gewerkschaften kündigen Protest gegen Stellenabbau an

Die Gewerkschaften DAG und HBV haben am Montag Protest gegen die Pläne des Karstadt-Quelle Konzerns angekündigt, bis zu 7 000 Vollzeitstellen bei ihrer Warenhaustochter zu streichen.

Reuters ESSEN. Vorabsprachen über gemeinsame Protestaktionen liefen noch im Laufe der Woche an, teilten die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Aus Gewerkschaftskreisen verlautete, Konzernchef Wolfgang Urban habe bei Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat versichert, es würden keine Häuser geschlossen. In Unternehmenskreisen hieß es dagegen, Entscheidungen darüber, ob auch ganze Standorte aufgegeben werden sollten, seien noch nicht getroffen worden. Analysten befürworteten einen Stellenabbau, um die Ertragskraft des Konzerns zu verbessern.

Derzeit beschäftigt Europas größter Versandhandels- und Warenhauskonzern deutschlandweit 52 000 Menschen in 204 Filialen. Das Unternehmen hatte am Freitag bestätigt, im Zuge eines Programms zur Effiziensteigerung mit dem Gesamtbetriebsrat über den Abbau von 7 000 Vollzeitstellen zu sprechen. "Die Stellenabbaupläne können bis zu 10 000 Menschen betreffen, wenn berücksichtigt wird, dass gerade im Warenhausbereich viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten", sagte DAG-Handelsexperte Ulrich Dalibor Reuters. Eine Konzernsprecherin bestätigte am Montag weiter, die Verhandlungen mit dem KarstadtQuelle - Betriebsrat würden voraussichtlich Ende des Monats abgeschlossen. Der Arbeitsplatzabbau solle möglichst sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen stattfinden.

Der angekündigte Personalabbau trifft nach Einschätzung von DAG und HBV vor allem das Verkaufspersonal in den Warenhäusern. Allein in diesem Bereich sollten mehr als 4 500 Stellen gestrichen werden. Nach Darstellung aus Gewerkschaftskreisen wolle der Konzern unter anderem 500 von 2 500 Abteilungsleiterstellen und 800 der 1 300 Substitutenstellen (stellvertretende Abteilungsleiter) einsparen. Darüber hinaus plane die Konzernleitung den Abbau von 3 200 Stellen im Verkauf. Die anderen geplanten Stellenstreichungen betreffen nach Angaben der DAG die nachgelagerten Bereiche wie Logistik, Lager und Verwaltung. Die nächste Gesprächsrunde zwischen Konzern-Vorstand und Gewerkschaften finde am Donnerstag statt, einen Tag vor einer Aufsichtsratssitzung von Karstadt-Quelle.

Analysten sagten, der Stellenabbau sei notwendig, um die Ertragskraft des Konzerns zu stärken und die Vorteile aus der 1999 beschlossenen Fusion mit dem Versandhaus Quelle besser ausschöpfen zu können. Der seit Oktober 2000 amtierende Konzernchef Wolfgang Urban wolle offenbar beweisen, dass er mit seiner Ankündigung Ernst mache, die Ertragslage des Konzerns zu verbessern. Urban hatte kurz nach seinem Amtsantritt erklärt, der Konzern wolle bis zum Jahr 2003 zusätzlich 500 Mill. DM sparen.

DAG und HBV kritisierten in der gemeinsamen Erklärung, Anlass des massiven Stellenabbaus sei alleine eine "kurzfristige Renditepolitik zur Befriedigung der Aktionäre". Das Unternehmen stehe auf soliden Füßen, wirtschaftliche Gründe für diesen "Kahlschlag" gebe es nicht. Die Gewerkschaften kündigten für die kommenden Wochen harte Verhandlungen an.

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