Unterschiedliche Berichte über Geländegewinne
Taliban-Gegner ziehen Ring um Kandahar enger

Kämpfer paschtunischer Stämme haben am Dienstag in Afghanistan den Belagerungsring um die letzte Taliban-Bastion Kandahar nach eigenen Angaben enger gezogen. Kämpfer des Stammesanführers Hamid Karsai hätten den Bezirk Schahwali Kot etwa 20 Kilometer nördlich der Stadt eingenommen, sagte ein Sprecher Karsais.

Reuters QUETTA. Die radikal-islamischen Taliban bestritten dies. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete unter Berufung auf Taliban-Kreise, die Angriffe seien zurückgeschlagen worden. Unabhängige Berichte über die Kämpfe lagen nicht vor. Die USA setzten ihre Luftangriffe auf Kandahar und vermutete Verstecke des moslemischen Extremisten Osama bin Laden im Süden fort. Ein Sprecher der El-Kaida-Gruppe Bin Ladens kündigte an, den "heiligen Krieg" fortzusetzen, wenn Bin Laden getötet werde.

Bei den Kämpfen um Schahwali Kot seien Dutzende Stammeskämpfer verletzt und zwei Kämpfer gefangen genommen worden, meldete AIP unter Berufung auf Taliban-Kreise. Der Paschtunensprecher sagte weiter, Stammeskämpfer des früheren Mudschahedin-Gouverneurs von Kandahar, Gul Agha Schersai, hätten den vor der Stadt gelegenen Flughafen angegriffen. Sie seien aber nach schweren Kämpfen von arabischen Söldnern Bin Ladens zurückgeschlagen worden.

US-Kampfflugzeuge bombardierten AIP zufolge den Flughafen und Ziele in den Bergen südlich Kandahars. Die Angriffe erfolgten alle fünf Minuten, meldete die Agentur unter Berufung auf Taliban-Kreise. Bei einem Bombenangriff in der Nacht auf Kandahar sei ein Krankenwagen getroffen worden. Vier Menschen seien getötet worden. Eine Bestätigung der Meldung lag nicht vor. US-Kampfjets griffen auch Ziele in der Bergregion Tora Bora und in der Provinz Paktia an, südlich der ostafghanischen Stadt Dschalalabad, wie AIP weiter meldete. Berichte über Opfer oder Schäden lagen nicht vor. Die USA halten es für möglich, dass sich Bin Laden in Tora Bora versteckt, wo ein unterirdisches Höhlensystem existieren soll. Sie machen Bin Laden für die Anschläge vom 11. September verantwortlich.

Auf dem US-Stützpunkt südlich von Kandahar haben nach offiziellen Angaben australische Soldaten die US-Eliteeinheiten verstärkt. Wie viele Australier dort gelandet seien, teilte die US-Armee nicht mit. US-Einheiten setzten in der Region ihre Patrouillen am Boden und in der Luft fort.

In der von der Nordallianz eroberten Stadt Masar-i-Scharif kam es nach UNO-Angaben zu neuen Gefechten. Wegen Kämpfen unter Taliban-Gegnern sei eine Rückkehr von Hilfstransporten nach Masar-i-Scharif unsicher, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen (UNO) in Kabul. "Wir haben vereinzelte Kämpfe und Gefechte in der Stadt beobachtet, aber wir wissen nicht, wer gegen wen kämpft." Truppen der Nordallianz um General Abdul Raschid Dostum hatten unterstützt durch US-Luftangriffe die Stadt am 9. November von den Taliban erobert.Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF mahnte, die Situation tausender Menschen, vor allem Frauen und Kinder in der Region um Kandahar sei wegen des Winters und der anhaltenden Kämpfe sehr ernst.

Der Sprecher der Organisation bin Ladens, Sulaiman bu Ghaith sagte der kuwaitischen Zeitung "El-Watan" zufolge: "Der heilige Krieg wird fortgesetzt werden, selbst wenn Bin Laden sterben sollte, ... jedesmal, wenn Osama stirbt, wird eine neuer Osama die Fahne ergreifen".

Nach einem Bericht der "Washington Post" ist bin Laden dem Bau einer mit Nuklearmaterial bestückten Bombe näher als bisher angenommen. Dies hätten Untersuchungen durch US-Geheimdienste ergeben. Eine Anleitung zum Bau einer solchen "schmutzigen Bombe" seien in El-Kaida-Verstecken in Afghanistan gefunden worden. Befürchtungen, El Kaida stehe vor der Entwicklung einer solchen Bombe, stünden möglicherweise im Zusammenhang mit neuen Warnungen der USA vor Anschlägen. Die USA hatten am Montag zum dritten Mal seit dem 11. September eine offizielle Warnung vor weiteren Anschlägen veröffentlicht. Eine "schmutzige Bombe" könnte Experten zufolge ein Gebiet von mehreren hundert Metern radioaktiv verseuchen.

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