Unterschiedliche Bewertungen
Die Fonds verlieren den Herdentrieb

Im vierten Jahr der Aktienbaisse wird es für Anleger immer schwerer, Orientierung zu finden. Selbst auf den Herdentrieb der Profis können sie nicht mehr setzen. Das Handelsblatt hat sich bei den Chefs der großen deutschen Fondsgesellschaften DWS, DIT und Deka umgehört - mit verblüffendem Ergebnis: Die Manager von Milliardenanlagevermögen schätzen die Lage an den Aktienmärkten völlig unterschiedlich ein.

LUXEMBURG. Der eine hält die Dividendenpapiere für extrem billig, der andere für normal bewertet und der dritte für immer noch zu teuer. Anleger sollten also weiterhin Vorsicht walten lassen.

Axel-Günter Benkner, Chef der zur Deutschen Bank gehörenden DWS, verbreitet Optimismus. "Ich glaube nicht an die Deflation in Amerika, obwohl es da eine gewisse Panikmache gibt", beruhigt er die Anleger. revisionen nach unten. Doch nach dem Ende des Irak-Kriegs werde sich die Krisenangst verflüchtigen und das allgemeine Konsumverhalten normalisieren, sagt er. Und dann wagt Benkner sich nach vorne: "Die Aktienkurse sind sehr stark unterbewertet, um mindestens 50 Prozent." Das könnte Aktionäre zumindest für Neuengagements hoffnungsvoll stimmen. Allerdings, so schränkt er ein, solle man nur ausgewählte Aktien kaufen. So haben es ihm die deutschen Versorger und Pharmaunternehmen angetan: "Die sind sehr konjunktursicher und können auch bei rückläufigen Gewinnen ihre Dividenden zahlen."

In einer kritischen Phase

Markus Rieß teilt nicht den Optimismus seines Kollegen. Als Chef des DIT, der Publikumsfondsgesellschaft von Allianz und Dresdner Bank, mag er den Aktionären keine Hoffnung machen. "Aktien sind normal bewertet, aber überhaupt nicht billig", sagt er. Und dann wird er deutlich: "Wir sind in einer kritischen Phase, es ist noch nicht die Zeit für einen massiven Einstieg." Das sind klare Worte des DIT-Mannes, der bei offiziellen Statements eher eine geschmeidige und diplomatische Wortwahl bevorzugt. Ihm geht Sicherheit über alles. Deshalb rät er Aktieninteressierten, "Absolute-Return-Konzepte und Wertsicherungen zu bevorzugen". Damit meint er: Auch nach dreijähriger Börsentalfahrt ist die Vermeidung weiterer Verluste wichtiger als die Jagd nach überdurchschnittlichen Gewinnen.

Das Kontrastprogramm zu Benk-ner und Rieß ist Jörg-Peter Lühmann. Lühmann ist ebenso wie seine beiden Kollegen seit Jahrzehnten im Geschäft, demnach ein alter Hase. Er wird sich allerdings am Jahresende von seinem Chefposten bei der Sparkassenfondsgesellschaft Deka Investment zurückziehen. Für ihn sind Aktien in einem "strukturellen Bärenmarkt". Und die Deflation ist für ihn ein durchaus mögliches Szenario. Zu Amerika hat er zwei Meinungen: "Die Nasdaq hat ihren Boden gefunden, der Dow noch nicht." Wenn Lühmann Hoffnung macht, dann vor allem für Titel kleiner und mittelgroßer Firmen sowohl in Übersee als auch in Deutschland. "Mid Caps mit hoher Dividendenrendite laufen jetzt besser", sagt er. Daraus könne sich für diese Aktiengruppe ein mehrjähriger Bullenmarkt entwickeln - allerdings mit moderaten Ertragschancen. Insgesamt glaubt er, und an diesem Punkt wirft er seine ganze Erfahrung an den Anlagemärkten in die Waagschale, "dass wir ein Markt für Trader sind, das ist nichts für Anleger."

Die Favoriten

Fonds: Die Vodafone-Aktie liegt bei allen großen deutschen Fonds im Depot. Darüber hinaus setzen die Gesellschaften aber sehr unterschiedliche Anlage-Schwerpunkte:

DWS Vermögensbildungsfonds I: Deutsche Post, Schlumberger, Royal Dutch, Vodafone.

DIT Industria: Vodafone, BP, Glaxo Smith Kline.

Deka Arideka: Vodafone, Glaxo Smith Kline, Totalfina Elf.

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