Unterschiedliche Bewertungen
Meinungen zur Scharping-Entlassung

Die Entlassung von Verteidigungsminister Rudolf Scharping durch Bundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) wird in den unterschiedlichen Lagern verschieden bewertet.

ddp BERLIN. Nach Ansicht von CDU-Außenexperte Wolfgang Schäuble ist der Rauswurf vor allem auf Fehler von Schröder zurückzuführen. Scharping sei von der eigenen Regierung schon lange demontiert worden, sagte Schäuble in Berlin. Alle Zusagen, die Schröder etwa zur finanziellen Ausstattung des Verteidigungshaushalts gemacht habe, hätte der Verteidigungsminister nicht einhalten können.

Bundeskanzler Schröder sieht indes die Vorwürfe des Magazins "Stern" gegen Scharping als "gravierend" an. Durch die Entlassung des Ministers seien seine Chancen auf einen Sieg bei der Bundestagswahl im September aber nicht geschmälert, sagte Schröder. Die SPD werde auch weiter um eine Regierungsmehrheit kämpfen, und er sei "guten Mutes", dass sie dies auch erreichen könne.

"Massive Vorwürfe"

Deutschland konnte sich nach Ansicht von SPD-Generalsekretär Franz Müntefering den Verteidigungsminister wegen der gegen ihn erhobenen "massiven Vorwürfe" nicht mehr leisten. Die SPD wolle auch in Zukunft mit Bundeskanzler Schröder regieren, und da wäre eine solche Sache in den kommenden Wochen "in hohem Maße hinderlich gewesen".

Der Chef der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Michael Glos, begrüßt die Ablösung von Scharping. Scharpings Rückzug sei nach den zahlreichen Affären bereits seit einem Jahr überfällig, sagte Glos. Die Ablösung ausgerechnet jetzt rieche jedoch nach einer Kampagne.

Unmut über Nominierung von Stiegler

In der nordrhein-westfälischen SPD regt sich indes Unmut über die Nominierung des bayerischen SPD-Politikers Ludwig Stiegler als Nachfolger von Fraktionschef Struck. "Ich hätte mir durchaus eine Lösung vorstellen können, die auf einen Nordrhein-Westfalen zugelaufen wäre", sagte der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Kemper. Schließlich würden die Bundestagwahlen in Nordhrein-Westfalen entschieden. Scharping sei "der Parteiräson geopfert worden", bedauerte Kemper.

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