Unterschiedliche Bewertungskriterien: 99 Tote durch rechtsextreme Gewalt

Unterschiedliche Bewertungskriterien
99 Tote durch rechtsextreme Gewalt

In Deutschland sind seit der Wiedervereinigung laut Zeitungsberichten mindestens 99 Menschen durch rechtsextremistische Gewalt gestorben. Das haben gemeinsame Untersuchungen der "Frankfurter Rundschau" und des Berliner "Tagesspiegel" ergeben. Die Bundesregierung geht lediglich von 39 Todesopfern aus.

HB/dpa BERLIN. Die beiden Zeitungen (Donnerstag) berichten, dass erstmals im Jahr 2000 Recherchen unter dem Titel "Den Opfern einen Namen geben" vorgelegt worden seien, worauf die Politik mit der Einführung neuer Zählkriterien reagiert habe. Damals hatten die Zeitungen 93 Todesopfer ermittelt. Ein Jahr später waren vier weitere Fälle hinzugekommen. Nun müsse die Liste um zwei weitere Opfer ergänzt werden.

So sei Marinus Schöberl im Sommer 2002 im brandenburgischen Potzlow von drei Rechtsextremisten als "Jude" beschimpft und getötet worden, weil er sich die Haare blond gefärbt hatte und weite Hosen trug. Der Fall werde amtlich nicht als rechtsextrem motiviertes Delikt geführt, weil das brandenburgische Innenministerium die Bewertung bisher offen lässt.

Der Rentner Willi Worg wurde bereits im Jahr 2001 in Sachsen- Anhalt ermordet. Zunächst galt Raub als Motiv. Doch seit dem Urteil gegen die Täter sei die rechtsextreme Motivation gesichert. Das Bundesinnenministerium äußerte sich zu diesen zwei Fällen nicht. Es verwies darauf, dass seine Zahlen das Resultat der von den Bundesländern nach Berlin gemeldeten Fälle sind. Das Ministerium übernehme dabei auch die Einstufung der Tat von den Länder-Behörden.

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