Unterschiedliche Gefühlslagen in Afrika
Katzenjammer in Kamerun - Löwengebrüll in Senegal

"Wie nach einer Beerdigung." So beschrieb ein Sportjournalist in Kameruns Hauptstadt Yaounde die Stimmung nach der Niederlage gegen Deutschland. In der westafrikanischen Metropole standen am Dienstag nach dem Aus für die "unbezwingbaren Löwen" in Südkorea alle Räder still.

dpa NAIROBI. "Die Leute hatten sich auf ein Riesenfest eingerichtet - nun sind alle grenzenlos enttäuscht", sagte der Reporter der "Cameroon Tribune", Joseph Tiemuncho. "Die Deutschen haben uns mit ihrer physischen Überlegenheit eine Lektion erteilt."

Daran, so die einhellige Meinung der niedergeschlagenen Fans im Stadtzentrum der Hauptstadt, konnte auch der "wilde Winnie" nichts ändern. "Winfried Schäfer hat sein Bestes getan - er leidet mit uns", nahm ein Getränkeverkäufer am Straßenrand den deutschen Trainer der kamerunischen Nationalelf in Schutz - obgleich ihm durch das Aus der "Löwen" das große Geschäft durch die Lappen gegangen war.

Trainerkollegen in Afrika waren weitaus skeptischer mit Blick auf die Position Schäfers, der nach Peter Schnittgers Abschied vor 29 Jahren der erste deutsche Nationaltrainer in Yaounde ist. "Nach allem, was ich in Kenia erlebt habe, wäre ich mir nicht so sicher", sagte etwa der gerade gefeuerte deutsche Trainer der kenianischen Nationalelf, Reinhard Fabisch. Er hatte das "Spiel der vielen blutigen Nasen" im Fernsehen des ostafrikanischen Landes kommentiert.

Auf der anderen Seite des Kontinents nahmen Tausende Fußballfans Anteil an der Niederlage der kamerunischen Löwen. "Zum Glück haben wir ja noch die Löwen aus Senegal auf dem Rasen", tröstete sich ein Fan in einer Bar eines Slums von Nairobi.

In dem westafrikanischen Land hingegen läuteten Fans das "Jahr des Löwen" ein. "Die Löwen sind auf dem Vormarsch", meinte ein Fan in Senegals Hauptstadt Dakar. "Und nichts anderes als eine Mauer kann sie stoppen." Der Einzug des Debütanten ins Achtelfinale entfachte erneut die Hochstimmung eines seit Tagen pulsierenden Straßenfestes. Vor dem Präsidentenpalast drängten sich Menschen, um die "Terenga Lions", die gastfreundlichen Löwen mit Tänzen und Gesängen zu feiern.

Präsident Abdoulaye Wade hatte den Tag zum nationalen Feiertag erklärt. "Keiner arbeitet, es ist Ferienstimmung, die Straßen sind voll", erklärte ein begeisterter Fan dem englischen Sender BBC. Im Zentrum der Hauptstadt des ehemaligen französischen Kolonialimperiums in Afrika trugen sogar französisch-stämmige Einwohner die kamerunischen Nationalfarben rot, gold und grün. Einheimische schmückten sich in traditionellen "Grand Boubous", langen, farbigen Roben.

Die meisten Fußballfans hatten sich entlang der Küstenstraße Corniche versammelt, um das Spiel gegen Uruguay auf einer Großbildleinwand zu verfolgen. Sie soll auch nach der WM als nationales Denkmal dort stehen bleiben.

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