Unterschiedliche Investitions-Bedingungen je nach Ausgang der Wahl
Baubranche profitiert von Kerry, die Autoindustrie von Bush

Sollte der demokratische US-Präsidentschaftskandidat John Kerry die Wahl am 2. November gewinnen, würden fünf Bereiche der amerikanischen Wirtschaft besonders profitieren: Bau-Industrie, Gesundheit, Bildung, Versicherungswirtschaft und staatliche Verwaltung.

HB WASHINGTON. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas in Chicago, die gestern vorgestellt wurde. Ein erneuter Wahlsieg von Präsident George W. Bush käme hingegen folgenden Branchen zugute: Auto-Industrie, Finanz-Dienstleistungen, Holzverarbeitung, Pharmazie- und Tabakwirtschaft.

Den Schub für die amerikanische Bau-Industrie leitet die Studie aus Kerrys Ankündigung ab, Häuslebauern mit mehr Staatshilfen unter die Arme zu greifen. Zwischen Januar und Juni verzeichnete die Branche bereits einen Zuwachs von mehr als 130 000 Jobs. Auch der Gesundheits-Sektor, der zweite dicke Wachstums-Markt, hätte unter Kerry Vorteile: Der demokratische Kandidat will einen Großteil der rund 43 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherungsschutz in das staatliche Leistungssystem integrieren. Darüber hinaus plant er öffentliche Zuschüsse für Patienten, die teure Notfallmedizin in Anspruch nehmen. Insgesamt wurden im Gesundheits-Bereich im ersten Halbjahr mehr als 113 000 Arbeitsplätze geschaffen.

Der Bildungs-Sektor bekäme durch Kerrys Zusage Aufwind, das öffentliche Schulwesen zu verbessern. Davon könnten Lehrer, die Bau-Wirtschaft sowie die Hersteller von Computern und Lehrbüchern profitieren, heißt es in der Studie. Die Anbieter von Lebensversicherungen hätten Vorteile, da Kerry im Gegensatz zu Bush die Steuerfreibeträge für Sparer nicht erhöhen wolle und damit Lebensversicherungen attraktiv bleiben. Schließlich könnte die öffentliche Verwaltung durch den generellen Anstieg staatlicher Leistungen mit mehr Jobs rechnen.

Automobil-Sektor wünscht sich den Amtsinhaber

Die Auto-Industrie wäre hingegen der größte Nutznießer im Falle eines Wahlsieges von Bush. Die Studie verweist auf die Ankündigung des Präsidenten, die Umwelt-Standards sowie die Vorschriften für Benzinverbrauch nicht zu verschärfen. Käme Bush zudem mit seinen Plänen durch, die Steuererleichterungen unbefristet laufen zu lassen, hätten die Verbraucher mehr Geld für Auto-Käufe in der Tasche. Der Automobil-Sektor verzeichnete zwischen Januar und Juni bereits ein Plus von mehr als 88 000 Stellen.

Im Bereich der Finanz-Dienstleistungen sieht die Studie auf Grund der gestiegenen Zinsen während der Regierungszeit von Bush eine höhere Gewinnspanne bei der Vergabe von Krediten. Bushs Vorhaben, die private Altersvorsorge durch Steuerfreibeträge für Sparer zu fördern, wäre außerdem Wasser auf die Mühlen der Investmenthäuser. Im ersten Halbjahr stellte die Finanz-Branche 34 000 neue Mitarbeiter ein. Weiter heißt es, dass die Holzindustrie durch laxere Vorschriften mit mehr Aufträgen rechnen könnte. Bush will die Waldbrandgefahr durch verstärkte Abholzung vermindern.

Auch Pharma-Unternehmen käme eine weitere Amtszeit Bushs zugute. Im Rahmen der Gesundheitsreform für Senioren haben Patienten neuerdings durch Rabattkarten Zugang zu billigeren Medikamenten, was die Nachfrage ankurbeln könnte. Bushs Weigerung, die Einfuhr preiswerter Generika zu erlauben, schützt zudem die US-Arzneimittelfirmen. Nicht zuletzt die Tabak-Industrie könnte sich freuen: Die Republikaner wollen die Möglichkeiten zur Klage gegen Zigaretten-Unternehmen einschränken.

Darüber hinaus führt die Studie eine Reihe von Branchen auf, die unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahl günstige Investitionsbedingungen haben. So wird die Verteidigungsindustrie als Gewinner bezeichnet. Bush würde allerdings mehr auf die traditionellen Rüstungsunternehmen setzen, Kerry mehr auf den Heimatschutz. Auch der Energie-Sektor hätte gute Aussichten: Bush würde jedoch eher die klassische Öl- und Gasförderung unterstützen, Kerry hingegen alternative Energiequellen wie Wind, Sonne und Wasser.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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