Unterschiedliche Philosophien bei der Sicherheit für die Fußballstars.
Nur mit Passwort ins Mannschaftshotel

Die Trainingscamps mancher EM-Mannschaften gleichen, wie beim deutschen Team der Fall, einer echten Festung. Das Spielerhotel ist hermetisch abgeriegelt und nur mit Sondergenehmigung zu erreichen. Andere Teams hingegen lassen sich ohne Probleme beim Training beobachten. Zwei vollkommen unterschiedliche Philosophien.

HB LISSABON. Um in das Hotel "Ria Park Garden", das Hotel der DFB-Auswahl, zu gelangen benötigt man ein Passwort. Einige Journalisten munkeln, dass das geheime Passwort zum Betreten des Traininglagers "FINALE" lauten könnte. Zu den täglichen Pressekonferenzen werden die DFB - Spieler mit dem Auto zu einem nur 300 Meter entfernten Nachbar-Hotel chauffiert. Ein Blick der Fans auf ihre Stars ist damit unmöglich. Nur einmal zeigten sich die Kicker bei einem öffentlichen Training in Loulé ihren Anhängern.

Anders geht es bei Gruppen-Gegner Niederlande im Sheraton Hotel in Albufeira zu. Dort tauchen bei den Touristen am Swimming Pool schon Mal Ruud van Nistelrooy oder Edgar Davids auf und sorgen damit für große Augen bei den Fans. Für Griechenlands Chefcoach Otto Rehhagel wäre das ein Gräuel. "Das Hotel ist tabu", verfügte der frühere Bundesliga-Trainer rigoros. Der Erfolg - ein 2:1 gegen Portugal und ein 1:1 gegen Spanien - gibt ihm recht. In eine "Sport-Oase" hat sich der EM-Gastgeber zurückgezogen. Das Trainingscamp von Sporting Lissabon liegt rund 20 Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt mitten in der Pampa und garantiert absolute Ruhe vor den Fans.

Nachdem ein Paparazzi aus dem Verborgenen Fotos von David Beckham geschossen hatte, wie er sich an sein Geschlechtsteil greift, warnte der englische Verband die Journalisten "vor Giftschlangen" im Gebüsch des Trainingsgeländes. Neue intime Fotos sind seitdem nicht mehr aufgetaucht. Die Russen fürchten sich weder vor Fotografen noch vor ihren Anhängern. So zeigte Nationaltrainer Georgi Jarzew ein Herz für Fans und lud sie nach den ersten beiden EM-Spielen jeweils zu einem "Tag der offenen Tür" ins Mannschaftsquartier ein. Dagegen hat Italien gleich 30 Polizisten aus der Heimat mitgebracht, um die Stars vor Unbill und Gefahr zu schützen. Als Begegnungsstätte dient die "Casa Azzurri" - eine von Sponsoren errichtete Zeltstadt im Lissabonner Stadtteil Belém.

Bedauern über zu wenig Kontakt mit ihren Fans äußerten die schwedischen Kicker. Im Trainingslager in Estoril können Anhänger die Übungseinheiten nur von einem etwas abgelegenen Hügel verfolgen. "Es ist eigentlich schade, dass die Öffentlichkeit ausgesperrt ist", sagte Nationalstürmer Henrik Larsson, der sich deshalb jüngst mit seinen Mitspielern vor den Fans auf der Anhöhe verbeugte. Keine Probleme mit einer sie bedrängenden Medienmeute haben die Letten. Zu den Gesprächen und Trainingseinheiten mit der Mannschaft ins nordportugiesische Anadia kommen höchstens 20 lettische Journalisten und ein Fernsehteam aus der Heimat. Von freundlichen Begegnungen dieser Art träumt man im DFB-Tross, der von der zehnfachen Menge an Medienvertretern umlagert wird.

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