Unterschiedliche Regelungen in Ländern und Kommunen
Ladenschluss sorgt Weihnachten für Verwirrung

Wer an Heiligabend noch schnell Essen und Trinken besorgen will, darf das laut Gesetz theoretisch auch dann, wenn der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt. In der Praxis aber dürfte das in diesem Jahr schwierig werden.

ap FRANKFURT/MAIN. Zum einen bewirken regional höchst unterschiedliche Ladenschlussregelungen, dass kaum noch jemand weiß, wo er wann an einem sonntäglichen Heiligabend welche Konsumgüter bekommt. Zum anderen besteht offenbar gar kein Bedarf: Die meisten Läden bleiben sowieso geschlossen.

Die Regelung gilt schon seit einem halben Jahrhundert und hat sich bewährt, auch wenn die damalige Begründung nicht mehr zutrifft: Weil in den 50er Jahren Kühlschränke nur selten waren, durfte Otto Normalverbraucher an Heiligabend verderbliche Waren auch dann einkaufen, wenn Sonntag war. Nach Paragraf 15 des Ladenschlussgesetzes dürfen Verkausstellen drei Stunden lang bis längstens 14.00 Uhr öffnen, die überwiegend Lebens- und Genussmittel führen oder Weihnachtsbäume anbieten. Allerdings enthält der Paragraph einen Pferdefuß, der der Unübersichtlichkeit Tür und Tor öffnet: "Die Öffnungszeiten werden von den Landesregierungen oder den von ihnen bestimmten Stellen durch Rechtsverordnung festgesetzt."

Im Wettlauf der Bürokraten um die komplizierteste Regelung scheint auf den ersten Blick die Verwaltung der deutschen Hauptstadt den Vogel abzuschießen. In Berlin darf man an Heiligabend zwar auch einkaufen, aber streng getrennt: Konditorwaren, Blumen und Weihnachtsbäume kann man sich zwischen 10.00 und 13.00 besorgen, bekommt diese Dinge aber nicht am frühen Morgen. Dasselbe gilt für Lebens- und Genussmittel in dafür zuständigen Geschäften. In die Röhre schaut dagegen, wer nach langem Schlaf in Ruhe sein Morgenblatt lesen will: Zeitungsstände dürfen nur von 08.00 bis 11.00 Uhr geöffnet sein.

Unübersichtlichkeit nicht nur in Berlin

Nach einer Stichprobenumfrage der Nachrichtenagentur AP herrscht Unübersichtlichkeit nicht nur in Berlin. In Sachsen-Anhalt können Lebensmittelgeschäfte drei Stunden offen halten, Blumen- und Weihnachtsbaumstände aber nur zwei Stunden lang. In Hamburg gilt die Öffnungszeit von drei Stunden vor 14.00 Uhr für Lebensmittelläden, aber nicht für andere Geschäfte, im Hannover auch für Blumenläden und Bäckereien. In Braunschweig gilt die Erlaubnis wiederum für Fleischereien, Zeitungsläden und Lebensmittelhändler, die frische Ware und Milch anbieten, das aber nur von 10.00 bis 12.00 Uhr.

Bayerische Sonderwege

In München werden bayerische Sonderwege eingeschlagen. Dort setzt man sich über die Darf-Bestimmung des Ladenschlussgesetzes souverän hinweg. "Es gibt bei uns keine Verordnung nach Paragraf 15", heißt es in der Kreisverwaltung. Das bedeutet, dass in der Hauptstadt des weißblauen Freistaats nur Bäcker und Konditoren bis 14.00 Uhr drei Stunden öffnen dürfen, Lebensmittelläden aber ausdrücklich nicht. Immerhin bekommt man zwischen 10.00 und 12.00 Blumen und Christbäume.

Auch in der Sachsen-Metropole Dresden, der Hauptstadt des anderen deutschen Freistaates, bleiben die Supermärkte dicht. Allerdings mit einer völlig anderen Begründung: "Von Seiten der Einzelhändler gab es kein Interesse", meinte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Er bestätigt damit, was der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) flächendeckend beobachtet. Ob es nun am Verordnungswirrwarr liegt oder an der mittlerweile fast hundertprozentigen Ausstattung der Haushalte mit Kühlschränken: "Die meisten Filialbetriebe der Lebensmittelketten bleiben dicht. Geringe Chancen dürften die Verbraucher nur beim Familienbetrieb an der Ecke haben", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

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