Unterschreitung des Mindestalters
Neuer Ärger um Alter der Chinesinnen

Ex-US-Coach Bela Karolyi tobt, doch IOC und Turn- Weltverband schieben sich gegenseitig den "Schwarzen Peter" zu: Vier Tage vor dem Beginn der olympischen Turn-Wettbewerbe in Peking haben sich die Zweifel am korrekten Alter chinesischer Turnerinnen verstärkt-und einen Kompetenz-Streit zweier Verbände ausgelöst.

PEKING. Nachdem die "New York Times" bereits vor Tagen zahlreiche Anhaltspunkte gefunden hatte, dass die chinesischen Star-Turnerinnen He Kexin und Jiang Yuyan noch nicht das für Olympia erforderliche Mindestalter von 16 Jahren erreicht haben, fand die US-Nachrichten-Agentur AP nun Belege, dass auch bei Yang Yilin das Alter zugunsten einer Teilnahme in Peking manipuliert sein könnte. Wie bei He und Jiang wird das Alter von Yang mit 16 angegeben. Wie AP recherchierte, war das Geburtsdatum der jungen Turnerin in den Jahren 2004, 2005 und 2006 selbst von der chinesischen Sportführung mit dem 26. August 1993 angegeben worden. In der selben Registratur der Sport-Organisation wird Yang Yilin nun seit dem Vorjahr mit dem Geburtsjahr 1992 geführt. "So lange wir keine schriftlichen Beweise haben... müssen wir uns an die offizielle Pässe halten, die vom IOC gecheckt wurden", begründete FIG-Generalsekretär Andre Gueisbuehler, warum sich der Weltverband weiterhin nicht in der Pflicht sieht.

Bei der offiziellen IOC-Pressekonferenz am Montag hatte hingegen Präsident Jacques Rogge die Verantwortung des IOC abgelehnt und die Pflichten an den Turn- Verband zurückgereicht. "Das IOC baut auf die internationalen Verbände, die ausschließlich für die Eignung der Sportler verantwortlich sind. Es ist nicht Aufgabe des IOC, jeden der 10 000 Athleten zu überprüfen". Wütend reagierte der frühere US-amerikanische Teamchef Bela Karolyi auf die Tatenlosigkeit der Führungen von IOC und FIG. "Nichts dagegen zu unternehmen ist einfach nur lächerlich. Das ist genauso schlimm wie der Betrug mit Doping", meinte er. "Ein Pass bedeutet gar nichts. Amtliche Urkunden sind in einer totalitären Gesellschaft bedeutungslos", kritisierte der Ex-Rumäne, der in Peking für die NBC als Co-Kommentator arbeitet, die Reaktion der Chinesen, die sich allein auf die offiziellen Pässe ihrer Sportlerinnen berufen. "Sie sind keine 16 Jahre alt. Sie sind Kinder, da bin ich mir ganz sicher", meinte Karolyi. Einen offiziellen Protest der USA-Mannschaftsleitung gegen die möglichen Manipulationen wird es allerdings nicht geben. "Das ist nicht Sache des US-Turnverbandes. Das ist die Aufgabe für das IOC und FIG", erklärte Steve Penny, der Präsident des USA-Turn-Verbandes. Die US-Girls, die 2007 in Stuttgart Weltmeisterinnen waren, gelten als Hauptkonkurrentinnen der chinesischen Turnerinnen in Peking. Für die deutsche Mannschaft ist der Streit indes kein Thema: "Das geht völlig an uns vorbei. Wir sind so konzentriert auf unsere Aufgaben, dass wir uns da völlig raushalten", meinte Cheftrainerin Ulla Koch am Dienstag. Manipulationen in der Altersfrage gibt es im Turnen schon seit 28 Jahren, als das Mindestalter zum Schutz junger Athletinnen vor Verletzungen von 14 auf 15 Jahre hoch gesetzt wurde. Die aktuelle Regelung mit dem Mindestalter von 16 Jahren gilt seit 1997. Bereits im Jahr 2000 hatte die Chinesin Yang Yun nach dem Gewinn von zwei Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen in Sydney vor TV-Kameras zugegeben, bei jenem Wettkampf erst 14 Jahre alt gewesen zu sein.

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