Unterstützung für Meyer in Union
Eine "Sommer-Ente" ärgert die CDU

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer hat einen Zeitungsbericht über angebliche Rücktrittsgedanken dementiert und gleichzeitig Unterstützung von führenden Unions-Politikern erhalten. Meyer nannte einen Artikel der "Bild"-Zeitung "frei erfunden", wonach er amtsmüde sei und seinen Posten noch vor dem CDU-Parteitag im Dezember in Dresden zur Verfügung stellen wolle.

Reuters BERLIN. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos und Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) stellten sich am Dienstag demonstrativ hinter Meyer. In der CDU/CSU-Fraktion wurde aber auch erneut Kritik an Meyers Amtsführung laut.

Unter Berufung auf Parteikreise berichtete die "Bild"-Zeitung, Meyer habe seine Gedanken an einen Rückzug bereits vor Vertrauten offen gelegt. Danach wolle er nach der Sommerpause ein klärendes Gespräch mit CDU-Chefin Angela Merkel führen. Sein Plan sei, sein Amt noch vor dem Parteitag im Dezember zur Verfügung zu stellen. Er sehe seine politische Zukunft dann in der nordrhein-westfälischen CDU. Dort war Meyer bis zu kurz vor seiner Wahl zum Generalsekretär Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.

Meyer nannte den Bericht nach Angaben eines Parteisprechers eine klassische Sommerente. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte, er habe am Dienstagmorgen mit Meyer telefoniert. Dabei habe er das Gegenteil von Amtsmüdigkeit vermittelt. Er trat auch Spekulationen entgegen, wonach es in der CSU Kritik an Meyer gebe: "Wir haben ein ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis", sagte Glos. Auch Unions-Fraktionsvize Bosbach und der Bremer CDU-Chef Bernd Neumann signalisierten ihre Unterstützung für Meyer. "Ich gehe davon aus, dass Herr Meyer mit großer Mehrheit auf dem Parteitag in Dresden gewählt wird", sagte Neumann der Nachrichtenagentur Reuters.

In der Partei wurde auch zurückgewiesen, dass es Spannungen zwischen Meyer und Merkel gebe. Die beiden hätten am Montagabend zusammen mit CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann über Wahlkampfvorbereitungen gesprochen, hieß es. Die "Bild"-Zeitung zitiert einen Vertrauten Meyers mit den Worten: "Er (Meyer) fühlt sich von der Vorsitzenden kaltgestellt." CDU-Chefin Merkel hatte Anfang Juli erklärt, sie halte ungeachtet von Kritik aus den eigenen Reihen an Meyer als Generalsekretär fest und werde ihn auf dem Parteitag zur Bestätigung vorschlagen.

In jüngster Zeit war in Partei und Fraktion immer wieder Kritik an Meyer aufgekommen. Der Generalsekretär wurde vor allem für das Debakel um das zurückgezogene Rentenplakat der CDU verantwortlich gemacht. Darauf wurde Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Stile einer Verbrecherkartei abgebildet. Auch wurde der Vorwurf laut, Meyer habe sich danach zu stark zurückgezogen. "Seit der Plakat-Geschichte hat man das Gefühl, dass er ein gebrochenes Kreuz hat", sagte ein Abgeordneter. Unions-Fraktionsvize Bosbach nahm Meyer in Schutz: "Man sollte die Sache mit den Rentenplakat nicht monatelang nachtragen."

Meyer war im November von einem so genannten kleinen Parteitag der CDU in Stuttgart zum Generalsekretär gewählt worden. Der Parteitag im Dezember diesen Jahres muss Meyer in seinem Amt bestätigen. Sollte er dabei ein schlechtes Ergebnis erhalten oder sogar durchfallen, würde dies auch CDU-Chefin Merkel beschädigen, hieß es in Parteikreisen. Merkel hatte sich im Oktober 2000 von ihrem damaligen Generalsekretär Ruprecht Polenz getrennt und Meyer zu seinem Nachfolger berufen. Bei seiner Vorstellung hatte Meyer für Aufruhr mit der Bemerkung gesorgt, einen zweiten "Missgriff" könne sich Merkel nicht leisten.

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