Unterstützung vom WDR half
Wo Hüte fliegen und Pleitgen die Welle macht

Düsseldorf setzt sich als Tennis-Standort gegen Monte Carlo und Madrid durch - dank massiver Hilfe.

eah DÜSSELDORF. Als am Pfingstmontag das deutsche Team beim Arag World Team Cup in Düsseldorf überraschend gegen Russland gewann, erkannte Horst Klosterkemper sein Publikum nicht wieder. "Ältere Herrschaften warfen vor Begeisterung ihre Hüte in die Luft", erzählt der Turnierleiter strahlend und erstaunt zugleich. Denn: "Dieses Verhalten ist für den Rochusclub schon etwas Besonderes."

Wenn nicht gerade die besten Tennisspieler der Welt wegen der Mannschaftsweltmeisterschaft da sind und ungewohnte Emotionen aufkommen, geht es auf der Anlage am Rolander Weg schon ziemlich gediegen zu. In dieser Woche aber ist die Gulaschkanone ebenso im Einsatz wie die Kamps-Verkäuferin, die Erdbeerkuchen offeriert. Mittendrin im eher gutbürgerlichen Getümmel war Anfang der Woche zum Beispiel der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen. Der warf zwar nicht seine Kopfbedeckung durch die Gegend, aber "er machte bei der Welle mit", wie Klosterkemper berichtet.

Pleitgen ist für das Turnier deshalb so wichtig, weil er kürzlich ebenso wie der in Nordrhein-Westfalen für Sport verantwortliche Minister Michael Vesper per "letter of intent" für die Wende im Poker um den World Team Cup sorgte. Die Spielergewerkschaft ATP hatte damit geliebäugelt, die Veranstaltung ab dem kommenden Jahr andernorts über die Bühne zu bringen. Vor allem Monte Carlo und Madrid lockten mit höheren finanziellen Versprechungen. 1,5 Millionen Dollar waren als Lizenzsumme im Gespräch, Düsseldorf bot lediglich 500 000 Dollar.

Es sah schlecht aus für den Rochusclub, der in diesem Jahr die 25. Auflage des Teamwettbewerbs erlebt. "Es war", sagt Klosterkemper, "wirklich drei vor zwölf." Erst als Vesper, Pleitgen und Oberbürgermeister Joachim Erwin Ende April zur Tat schritten und sich für eine intensivere Unterstützung versprachen, konnte die ATP zu einem Verbleib am Rhein bewegt werden. Ein Zehn-Jahres-Vertrag wurde unterzeichnet, nach fünf Jahren besteht für beide Seiten die Möglichkeit zum Ausstieg.

Gerade weil er Pleitgen und die ARD beziehungsweise den WDR als übertragenden Sender nun verstärkt im Boot hat, atmete Klosterkemper dieser Tage kräftig durch. Zwölf Prozent Einschaltquote am Pfingstmontag versetzten ihn in Hochstimmung. "Vorher hatte ich erhebliche Bauchschmerzen", gesteht Klosterkemper ob ungünstiger Voraussetzungen. Als sich der Sender um 15 Uhr aus der spannenden Endphase der Begegnung Kiefer - Safin ausblendete, gab es sogar zahlreiche telefonische Beschwerden. In den vergangenen Jahren waren die deutschen Fernsehzuschauer nicht selten froh, wenn langatmige Tennisspiele vom Kinderprogramm abgelöst wurden.

Dennoch ist der Ruf des Tennissports hierzulande nach wie vor bescheiden. Im Becker-Graf-Land ist es längst so, dass die großen Tennisevents mit Ausnahme des World Team Cups und des Rasenturniers im westfälischen Halle darben. Klosterkemper, Geschäftsführer der Düsseldorfer Messegesellschaft, will stets den Sport im Vordergrund sehen, "nicht Modeschauen oder Abendkonzerte". Und so kümmert sich sein Team intensiv um die Spieler samt Angehörige. Frau Sampras muss nicht lange bitten, wenn sie zum Kölner Dom chauffiert werden möchte. Da kommt man im nächsten Jahr gern zurück nach Düsseldorf.

Ja, Düsseldorf. Dort wo demnächst viertklassig Fußball gespielt wird. Und wo man sich um die Olympischen Sommerspiele 2012 bewirbt. Horst Klosterkemper ist mittendrin in dieser Bewegung, Michael Vesper erst recht, Joachim Erwin sowieso und Fritz Pleitgen irgendwie auch. Die Wege sind kurz, die Unterstützung des verbliebenen Sportereignisses von Rang Ehrensache. Ob mit oder ohne Hut.

Quelle: Handelsblatt

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