Untersuchung aller geschlachteten Rinder soll so bald wie möglich erfolgen
Frankreich verbietet Einsatz von Tiermehl

ap PARIS. Mit einem generellen Verbot von Tiermehl hat die französische Regierung den Kampf gegen die Rinderseuche BSE verschärft. Wie Premierminister Lionel Jospin am Dienstag in Paris ankündigte, müssen zudem T-Bone-Steaks von den Speisekarten verschwinden. Rinderwirbel dürfen nicht mehr bei der Herstellung von Gelatine und Talg verwendet werden. Die von Staatspräsident Jacques Chirac geforderte systematische Untersuchung aller geschlachteten Rinder aber wird es nicht sofort geben, sondern lediglich so bald wie möglich. Jospin war wegen der wachsenden Verunsicherung der Verbraucher unter Druck geraten.

Das Verbot von Fleisch- und Knochenmehl bei der Aufzucht von Schweinen, Geflügel und Fischen tritt zunächst vorläufig in Kraft, bis die Lebensmittelbehörde Afssa in drei bis vier Monaten ein Gutachten vorlegt, wie der Premierminister weiter sagte. Sollte es bestätigt werden, müssten die jährlich verfütterten 740 000 Tonnen Tiermehl dauerhaft durch Soja-Produkte ersetzt werden. Die Kosten dafür sowie für die aufwendige Lagerung und Verbrennung des ohnehin anfallenden Tiermehls dürften in die Mrd. gehen, erklärte der Premierminister.

Tiermehl ist in Frankreich und Deutschland bereits seit 1994 für alle Wiederkäuer untersagt. Frankreich sei nach Großbritannien erst das zweite EU-Land, das das Verbot auf Schweine und Geflügel ausdehne, sagte Jospin. Der eiweißreiche Stoff mache bei diesen Tieren nur zwei bis drei Prozent des gesamten Futters aus. Jospin wies darauf hin, dass noch nie ein BSE-Fall bei Schweinen, Geflügeln oder Fischen aufgetreten sei. In Deutschland wurden im Wirtschaftsjahr 1997/98 knapp 450 000 Tonnen Tiermehl verfüttert, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn mitteilte.

Vorsorglich müssen in Frankreich die T-Bone-Steaks von Tellern verschwinden. Die Regierung folge mit dem Verbot einer Empfehlung der Lebensmittelbehörde, erklärte Jospin. Generell würden alle Rinderwirbel aus der menschlichen Nahrungskette verbannt. Mit der Einrichtung von 475 neuen Stellen in der Lebensmittelüberwachung sollen die Kontrollen verbessert werden. Die Mittel zur Erforschung der Krankheiten, die auch beim Menschen von einem infektiösen Eiweißmolekül (Prion) verursacht werden, sollen im nächsten Jahr auf 210 Mill. Franc (62,6 Mill. Mark/32 Mill. Euro) verdreifacht werden.



Deutschland dehnt BSE-Tests auf 66 000 Rinder aus

Eine systematische Untersuchung aller geschlachteten Rinder in Frankreich wird es zunächst noch nicht geben. Jospin verwies auf das laufende Programm, bei dem rund 48 000 auffällig gewordene Rinder nach ihrem Tod auf BSE untersucht werden. Vor allem dieser Massentest hat nach Darstellung der Regierung dazu geführt, dass in diesem Jahr mit rund 90 BSE-kranken Tieren mehr Fälle von Rinderwahn entdeckt wurden als in den gesamten 90er Jahren.

In Deutschland, wo BSE bislang nur bei importierten Tieren aufgetreten ist, wurden im vergangenen Jahr rund 3 000 Rinder mit einem herkömmlichen Test untersucht, wie eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums weiter sagte. Diese Zahl solle nun auf 66 000 erhöht werden. Nach Angaben von Bayern ist dort bereits mit den Schnelltests begonnen worden; Hessen will in der nächsten Woche starten.



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