Untersuchung der Stiftung Warentest
Gentechnik im Supermarkt-Regal: Jedes dritte Produkt enthält Gen-Mais- oder -Soja

Ob Müsliriegel, Backmischung oder Dessert: Stiftung Warentest fand in jedem dritten Produkt gentechnisch veränderte Ausgangsstoffe - ohne dass die Verbraucher es erkennen können.

adx BERLIN. Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind häufiger in deutschen Supermarktregalen zu finden als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach enthielten 31 von 82 geprüften Produkten, die Mais oder Soja enthielten, gentechnisch veränderte Zutaten. In drei Fällen - bei einer Backmischung, einem Sportriegel und einem Soja-Dessert - seien sogar bis zu 20 % genveränderte Mais- oder Sojasorten gefunden worden. Nach der neuesten Kennzeichnungsvorschrift müssten diese deklariert werden. Bei vier Lebensmitteln konnten immer noch Anteile zwischen 0,2 und 1,0 % nachgewiesen werden. Bei den positiven Proben stieß die Zeitschrift "Test" auf sechs in der Europäischen Union zugelassene genveränderte Sorten, aber auch auf eine verbotene Maisart aus den USA.

Die Ergebnisse belegten die "Tatsache, dass sich die Gentechnik längst in den Supermarkt eingeschlichen hat", betonte "Test"-Chefredakteur Hubertus Primus. Die Gefahr einer "schleichenden Einführung" betreffe nicht nur Lebensmittel, bei denen Mais und Soja ausdrücklich als Zutaten deklariert seien, sondern auch rund 30.000 Fertiglebensmittel in Deutschland, bei denen die Stoffe verdeckt etwa als Bindemittel oder Stabilisatoren enthalten seien. Diese offenbar "schleichende Einführung" stehe im Gegensatz zur Verbrauchermeinung, die genveränderte Lebensmittel mehrheitlich ablehnten. So hätten sich in einer "Eurobarometer"-Studie vom April rund 60 % der Befragten gegen manipulierte Produkte ausgesprochen.

Obwohl von den veränderten Lebensmitteln wegen der geringen Konzentrationen keine "kurzfristigen Risiken" zu erwarten seien, müssten die Bedenken der Verbraucher Ernst genommen werden, forderte Primus. Dies müsse auch in die von der Regierung geplante Konsensrunde zur Gentechnik in der Landwirtschaft einfließen.

Insbesondere dringt die Stiftung Warentest auf eine Absenkung des Schwellenwertes für die Kennzeichnungspflicht von genveränderten Lebensmitteln von derzeit 1,0 % manipuliertem Material auf 0,5 %. Außerdem müsste eine durchgehende Kennzeichnung "vom Saatgut bis zur Rohware" erfolgen, um sowohl Produzenten als auch Verbraucher mehr Sicherheit zu bieten.

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