Untersuchung des Bakred
DMEuro exklusiv: Gontard & Metallbank in Schwierigkeiten

Das Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen überprüft die finanzielle Situation des Vorstandschefs der Gontard & Metallbank Lothar Mark. Es scheint nur eine Frage von Wochen oder Monaten, wann er und die Bank an den Eigenkapitalhürden vollends straucheln.

DÜSSELDORF. Neben dem Bakred sitzt dem Tausendsassa Lothar Mark nun auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) im Nacken. Auf Anfrage erklärte eine Pressesprecherin, es würden wegen möglichen Insiderhandels gegen die Bank ermittelt. Überprüft werden mögliche Verkäufe von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern und deren Familien aus Beständen einer Privatplatzierung (siehe DMEuro, Heft 5). Anfang 1999, nur wenige Monate vor dem Börsengang, hatten sich Mark und Freunde für 9 Euro die eigenen Aktien ins Depot geholt. Nun soll untersucht werden, ob, das eigene Ge-schäftsdesaster vor Augen, sukzessive Aktien verbotenerweise verkauft wurden.

Einst sah er sich als ein aufgehender Stern an Frankfurts Bankenhimmel. Jetzt stolpert Lothar Mark von einer Krise in die nächste. Und es scheint nur eine Frage von Wochen oder Monaten, wann er und die Gontard & Metallbank an den Eigenkapitalhürden des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (Bakred) vollends straucheln. Nur noch zwei bis drei Millionen Euro bleiben dem Institut, bis mehr als die Hälfte des gezeichneten Kapitals aufgebraucht ist. Dies wäre wohl das Aus.

Und wie gefräßig sich der ständig steigende Wertberichtigungsbedarf in das Eigenkapital hineinfrisst, ist schon verblüffend: Verfügte Marks Geldhaus nach der Kapitalerhöhung Mitte Februar noch über eine Quote von 7,5%, so sind es jetzt nach eigenen Angaben nur noch 4%. Und noch immer lauert im Zahlenkompott der Bank Wertberichtigungsbedarf auf Neue-Markt-Aktien, die als Kreditbesicherung dienten. Am 30. Juni greift das Bakred zu, falls bis dahin die Eigenkapitalquote nicht auf 8% hochschnellt, ist aus zuverlässiger Quelle zu hören. Bis Ende Juni will daher der Vorstandschef die Risikoaktiva von rund 500 Millionen Euro auf 450 Millionen herunter fahren. Ein schwieriges Unterfangen.

Ob Lothar Mark das Ende seiner Bank überhaupt noch als deren Vorstandschef miterleben muss, ist indes nicht sicher. Vor rund zwei Wochen haben Vertreter des Bakred nach sicheren Informationen von DMEuro in Erwägung gezogen, ihn von seinem Posten zu entfernen. Denn auch mit seinen persönlichen Finanzen soll es nicht zum Besten stehen, heißt es aus Insiderkreisen. Und das Bakred habe sich die Frage gestellt, ob jemand, der seine eigenen Angelegenheiten nicht in den Griff bekomme, überhaupt eine Bank führen könne. Mark selber wollte auf Anfrage gegenüber DMEuro zu dem Sachverhalt keine Stellung nehmen.

Lothar Mark ist indes für die Aufseher kein unbeschriebenes Blatt. Bereits vor einigen Jahren mussten sie nach Informationen von DMEuro aufgrund einer Anzeige aus Frankfurter Aufsichtskreisen seine Tauglichkeit als Geschäftsführer des Kreditinstituts überprüfen.

Derweil scheint auch der Rückhalt von Großaktionär Gold-Zack für den hessischen Banker zu schwinden. Im fünfköpfigen Vorstand der eng mit dem Schicksal der Bank verknüpften 45-Prozent-Mutter regt sich immer mehr Widerstand. Es gehe in der Führungsetage die Angst um, dass die Gontard & Metallbank Gold-Zack mit in die Tiefe reißen könnte.

Unterdessen spricht Lothar Mark sich und der Öffentlichkeit Mut zu. Vier Interessenten sprächen mit der Bank, ließ er in dieser Woche verkünden. Dabei handelt es sich unter anderem um Alexander Falk, der auch mit 31 Prozent an der Wertpapierhandelsbank Hornblower Fischer beteiligt ist. Die Anzahl der wirklichen Interessenten als auch die Ernsthaftigkeit der Gespräche sollen dabei auch im eigenen Haus nicht ganz eindeutig sein. Zumindest stellen sich Banker in Frankfurt die Frage, warum jemand diese Bank kaufen sollte.

Schon am 20. März stand das Kreditinstitut trotz der Kapitalerhöhung nur vier Wochen zuvor vor dem Abgrund. Doch um 18 Uhr war fürs erste alles überstanden. Fast den gesamten Nachmittag hatte die Krisensitzung des Vorstands der Gontard & Metallbank und Gold-Zack mit dem Bakred an diesem verregneten Tag in der Bankzentrale in der Guiolettstraße 54 in Frankfurt gedauert. Die damals rettende Lösung kam von Gold-Zack-Vorstand Michael Radtke, der einen Investor aus dem Hut zauberte, der als Stillhalter einer Option von 15 Millio-nen Gontard & Metallbank-Aktien zu einem Euro fungiert. Das reichte dem Bakred vorerst. Und die kleine Bank mit den großen Ambitionen war für die nächsten Monate gerettet, wie man dachte.

Eine bittere Pille blieb zu schlucken: Gold-Zack musste seine Finanzanlage nun von drei auf einen Euro abschreiben, was das rund 185-Millionen-Euro-Loch für das Geschäftsjahr 2001 noch einmal um 30 Millionen Euro erhöhte. Was nun die angespannte Lage bei Gold-Zack nicht gerade verbessert.

Der Krisensitzung war eine Drohung der Bankenaufsicht vorangegangen, die Bank noch am selben Tag ab 20 Uhr unter Zwangsverwaltung zu stellen, falls es für einige Firmenkredite keine zusätzlichen Sicherheiten oder Bargeld stellen kann.

Lothar Mark verscherzt es sich mit allen

Dabei zählte sich Lothar Mark selber zu den ganz Großen der Branche: Um die Jahrtausendwende ging der Bankier mit dem ihm ganz eigenen Ego und in Frankfurter Bankenkreisen bereits berühmt-berüchtigten Worten auf den Vorstandssprecher der Deutschen Bank Rolf-E. Breuer zu: "Na, Herr Dr. Breuer, hier sind wir alten Banker. Nun beide Chef einer erfolgreichen Geschäftsbank."

Dass sich Mark mit dem Klassenprimus auf einer Ebene sah, griffen Frankfurter Banker auf Stehempfängen nur zu gerne als süffisantes Beispiel für ein übersteigertes Selbstbewusstsein eines Aufsteigers auf; Breuer soll es aber weniger humorvoll aufgenommen haben. Als Lothar Mark den Deutsche-Bank-Chef fast zwei Jahre später, im Herbst 2001, darum gebeten hatte, für sein ins Wanken geratenes Institut einen Kaufinteressenten zu finden, habe jedenfalls die Deutsche Bank keine großen Mühen auf sich genommen, heißt es in der Mainmetropole.

Aber Lothar Mark verscherzte es sich nicht nur mit den Großen dieser Welt: Glücklos agierte er auch beim Erwerb von Beteiligungen. Hier stolperte er über seine Affinität für Internet-Buden, wie das Beispiel Paraworld zeigt. An dem Internet-Portal beteiligte sich der Banker mit einer besonderen Liebe zur hessischen Mundart 1999 zum Höhepunkt des Börsenhypes zusammen mit Gold-Zack-Boss Dietrich Walther mit runde 18 Millionen Mark, was das Management auch wenig später mit einer Direktinvestition der besonderen Art honorierte. Während einer anberaumten Renovierung der Geschäftsräume stieg die gesamte Mannschaft für einige Wochen in ein Stei-genberger Hotel ab, womit zumindest die Luxushotelkette den beiden Strategen aus der Gold-Zack-Gruppe dankbar sein dürfte. Für das Unternehmen selbst blieb vom Geld nicht mehr viel übrig.

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