Untersuchung vom Wall Street Journal
Aktienkurse steigen nach Chef-Wechsel

Die Aktienkurse der großen europäischen Telekom-Konzerne sprechen eine deutliche Sprache: Die Unternehmen, die ihren Vorstandsvorsitzenden samt seiner expansiven Strategie frühzeitig abgelöst haben, sind von den Anlegern an der Börse belohnt worden.

vwd NEW YORK. Das schreibt "Wall Street Journal" (WSJ) in seiner Donnerstag-Ausgabe. Die Aktienkurse der BT Group plc, London, und der KPN NV, Den Haag, haben sich erholt, nachdem die Konzerne ihre Ambitionen zurückgeschraubt hätten. Der Kurs der Sonera Oy, Helsinki, ist stabil.

Im Gegensatz dazu haben die Titel der France Telecom SA, Paris, und der Deutschen Telekom AG, Bonn, erhebliche Abschläge hinnehmen müssen. Die beiden ehemaligen Staatskonzerne hätten bislang wenig getan, um ihre Schulden zu reduzieren, obwohl ihre Lasten die der Wettbewerber zumeist übertreffen. Auch sind dort die Vorstandsvorsitzenden weiter im Amt. "Wer zur Restrukturierung gezwungen worden ist, schlägt sich jetzt wacker", zitiert die Zeitung Raj Karia, Telekom-Analyst bei Cannacord Capital Corp. Die entscheidenden Punkte seien dabei die Reduzierung der Schulden und die Erhöhung des Cash-Flow.

Die Unternehmen müssten sich von Vermögenswerten trennen, die Kosten senken und ein transparentes Geschäftsmodell an den Tag legen, rät der Analyst. "Ein neuer Manager hat mehr Schwung, einen Konzern umzubauen", meint Karia. Auch die Deutsche Telekom werde bald an diesem Punkt angelangt sein. In anderen Branchen neigten europäische Unternehmen dazu, die Vorstandsvorsitzenden abzulösen, wenn die Entwicklung nicht den Erwartungen entsprochen hat. In vier Jahren dort sei rund ein Drittel der Vorstände aus diesen Gründen gegangen, verweist das WSJ auf eine Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton.

BT hatte im Frühjahr 2001 mehr als 30 Mrd. Pfund an Schulden angehäuft, durch Beteiligungen in Spanien und Japan sowie den Erwerb einer UMTS-Lizenz. Der ehemalige BBC-Chairman Christopher Bland folgte Chairman Iain Vallance und begann gleich mit einer massiven Restrukturierung. 5,9 Mrd. Pfund flossen durch eine Aktien-Emission in die Kassen der BT. Zugleich brachte Bland die Abspaltung der Mobilfunksparte auf den Weg. Seit Anfang des Jahres ist Ben Verwaayen CEO des Konzerns. Der Aktienkurs ist seitdem kräftig gestiegen und hat die Entwicklung des Sektors übertroffen.

BT wurde zum Vorbild für andere. Nach dreijähriger Expansion setzte die finnische Sonera auf Harri Kopponen als neuen Vorstandsvorsitzenden. Er leitete sofort Kostensenkungsmaßnahmen ein und drohte den ineffizienten Sparten mit Schließung oder Verkauf. Dann überzeugte er die Anleger, neue Aktien über eine Mrd. Euro zu zeichnen. Seit Kopponens Ernennung ist der Aktienkurs relativ stabil. Bei der niederländischen KPN trägt seit September 2001 Ad Scheepbouwer die Verantwortung. Er trat sein Amt nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der belgischen Belgacom an und begann innerhalb einer Woche mit der Restrukturierung.

France Telecom und Deutsche Telekom haben dagegen ihre Schuldensenkungen fordernden Anleger mit immer gleichen Worten beruhigt: Wegen der profitablen Festnetze in den jeweiligen Ländern gebe es keine Schwierigkeiten bei der Rückzahlung der Darlehen. "Warum sollte Ron Sommer zurücktreten?", fragte Hans Ehnert, Sprecher der Deutschen Telekom. Er habe die Gesellschaft auf den richtigen Weg gebracht. "Wir haben eine Menge Schulden. Aber das ist eine Investition in unsere Zukunft."

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