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Untersuchung zum Sparverhalten in Deutschland

Die Bundesbürger legten im vergangenen Jahr 162 Mrd. Euro auf die "hohe Kante", 4,5% mehr als im ...

Die Bundesbürger legten im vergangenen Jahr 162 Mrd. Euro auf die "hohe Kante", 4,5% mehr als im Vorjahr. Dies ergab eine Untersuchung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) anlässlich des Weltspartages am 30. 10. 2003. Der Geldvermögensbestand hat sich angesichts der dramatischen Kursverluste am Aktienmarkt im Jahr 2002 hingegen um 15 Mrd. Euro verringert. Es handelt sich um den ersten Rückgang des Geldvermögens seit der Währungsreform 1948. Insgesamt beträgt das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2002 3.658 Mrd. Euro. Durchschnittlich verfügte damit jeder Haushalt über ein Vermögen von 94.300 Euro, dem Verbindlichkeiten von 39.600 Euro gegenüberstanden. Aufgrund der Erholung der Kurse am Aktienmarkt rechnet der BVR mit einer leichten Zunahme des Geldvermögens der privaten Haushalte im Jahr 2003.
Mit 45 Mrd. Euro ist etwa ein Viertel der vorhandenen Anlagemittel der privaten Haushalte i.H.v. 179 Mrd. Euro (einschließlich der aufgenommenen Kredite i.H.v. 17 Mrd. Euro) zur Bildung von Sachvermögen verwendet worden. In die Bildung von Geldvermögen sind mit 133 Mrd. Euro drei Viertel des Mittelaufkommens geflossen. Bevorzugt haben die Bundesbürger ihre Finanzmittel im vergangenen Jahr in Bankprodukte, insbesondere in Sichteinlagen, angelegt. Insgesamt sind die Bankeinlagen um 78,8 Mrd. Euro ausgeweitet worden, dies ist der höchste Zuwachs seit 1993. Auch das Versicherungssparen erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Versicherungen spielen traditionell eine zentrale Rolle in der Vermögensbildung der Privathaushalte. Mit 66 Mrd. Euro ist jeder zweite Euro bei Versicherungen angelegt worden. Demgegenüber hat sich die Haltung von Wertpapieren im Jahr 2002 drastisch verringert. Nachdem sich schon im Jahr 2001 die Neuanlagen in Wertpapiere mehr als halbiert hatten, sind im Jahr 2002 Wertpapieranlagen i.H.v. 22 Mrd. Euro aufgelöst worden. Nur während der Rezession im Jahr 1993 ist die Vermögensbildung in Wertpapiere noch schwächer ausgefallen.
Aufgrund der Kursverluste am Aktienmarkt im vergangenen Jahr ist das Geldvermögen im Jahr 2002 zurückgegangen. Die Bewertungsabschläge bei den Aktien wurden von der Geldvermögensbildung nicht ausgeglichen. Der Wert der Aktienbestände der privaten Haushalte hat sich im Jahr 2002 um 181 Mrd. Euro vermindert, davon war lediglich ein Drittel dem Verkauf von Aktien zuzurechnen. Ebenfalls rückläufig hat sich der Wert der von den privaten Haushalten gehaltenen Investmentzertifikate entwickelt. Obwohl neue Anlagen i.H.v. 37 Mrd. Euro gebildet wurden, hat sich der Gesamtwert an Investmentfonds von 435 auf 425 Mrd. Euro vermindert.
Die Sparquote, das Verhältnis des Sparens der privaten Haushalte zum verfügbaren Einkommen, hat sich von 10,1% im Jahr 2001 auf 10,4 Prozent im Jahr 2002 erhöht. Die anhaltende konjunkturelle Schwäche und das im Jahresverlauf sinkende Konsumentenvertrauen dürften zu einer zunehmenden Kaufzurückhaltung geführt haben. Verstärkt wurde dieser Effekt durch die Vermögensverluste im Zuge der kräftig nachgebenden Aktienkurse. Von einem "Angstsparen" kann nach Ansicht des BVR jedoch nicht die Rede sein. Trotz des Anstiegs der Sparquote ist der Anteil des verfügbaren Einkommens, den die privaten Haushalte auf die "hohe Kante" legen, immer noch deutlich niedriger als Mitte der neunziger Jahre.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 23.10.2003

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