Untreue-Vorwurf in Mannesmann-Affäre: Staatsanwaltschaft klagt Ackermann & Co. an

Untreue-Vorwurf in Mannesmann-Affäre
Staatsanwaltschaft klagt Ackermann & Co. an

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und weiteren fünf Ex-Führungskräften der Mannesmann AG wegen hoher Abfindungen bei der milliardenschweren Übernahme durch Vodafone besonders schwere Untreue vorgeworfen.

Reuters DÜSSELDORF. Die vor einigen Tagen erhobene Anklage richte sich auch gegen die früheren Aufsichtsräte bei Mannesmann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Betriebsratschef Jürgen Ladberg, den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk sowie gegen den früheren Konzernchef Klaus Esser und einen Mitarbeiter der Direktionsabteilung, Dietmar Droste, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans-Reinhard Henke am Dienstag in Düsseldorf. Ackermann hatte ebenfalls dem Aufsichtsrat angehört. Ackermann, Zwickel und Esser haben die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen. Die Millionenbeträge waren im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone im Jahr 2000 gezahlt worden.

Den Managern werde in unterschiedlichen und wechselnden Tatbeteiligungen besonders schwere Untreue zur Last gelegt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Insgesamt seien sieben Zahlungsvorgänge rechtswidrig zum Nachteil der Mannesmann AG veranlasst oder in die Wege geleitet worden. Henke bezifferte den möglichen Höchstschaden für Mannesmann auf 111 Millionen Mark. Dieses hohe Volumen rechtfertige den Vorwurf der schweren Untreue. Die Höchststrafe für ein solches Vergehen betrage zehn Jahre Gefängnis.

Nach Henkes Worten beanstandet die Staatsanwaltschaft Anerkennungsprämien im Volumen von 48 Millionen Mark. Weitere 63 Millionen Mark seien an Pensionszahlungen geflossen. Hiervon seien aus Sicht der Ermittler mindestens 28 Millionen Mark rechtswidrig gewesen. Es könne aber auch sein, dass das Gericht die gesamten Pensionszahlungen für unrechtmäßig erkläre, sagte Henke. Die beanstandeten Zahlungen seien von Mannesmann in unmittelbarem Zusammenhang mit der Übernahme durch Vodafone geleistet worden. In einem vom aktuellen Verfahren abgetrennten Ermittlungsverfahren gehe es um weitere Bonus-Zahlungen an Mannesmann-Vorstände von weiteren rund 100 Millionen Mark.

Die Staatsanwaltschaft geht Henke zufolge bei den Anerkennungsprämien davon aus, dass sie "allein der Bereicherung der Begünstigten" dienten. "Die Vorschläge zu den unrechtmäßigen Zahlungen wurden entweder einzeln oder gemeinsam von Esser und Funk eingebracht, von dem jeweils anderen befürwortet und letztlich auch gemeinsam durchgesetzt", sagte Henke. "Die Angeschuldigten Zwickel und Ackermann verhalfen den Beschlüssen, deren Rechtswidrigkeit sie erkannt hatten, durch ihr Abstimmungsverhalten (im Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten) zur Umsetzung", sagte Henke.

Die IG-Metall erklärte, sie erwarte eine schnelle Rehabilitierung ihres Vorsitzenden. Mit der Anklageerhebung beim Landgericht Düsseldorf sei nun eine unabhängige juristische Prüfung der gegen Zwickel erhobenen Vorwürfe möglich.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Anklage bereits am 17. Februar nach zweijährigen Ermittlungen erhoben, aber zunächst die Beschuldigten noch nicht genannt. In Justizkreisen waren damals die Namen Ackermann, Zwickel und Esser bestätigt worden.

Im Rahmen der Übernahme durch Vodafone hatte allein Esser, unter dessen Führung Mannesmann zunächst gegen die Übernahme angekämpft hatte, früheren eigenen Angaben zufolge rund 60 Millionen Mark (rund 30 Millionen Euro) kassiert. Mit einem Volumen von mehr als 180 Milliarden Euro war die Mannesmann-Transaktion die bis dahin teuerste Übernahme der Industriegeschichte.

Nun muss das Landgericht Düsseldorf entscheiden, ob es zu einer Hauptverhandlung kommt. Das kann nach Angaben eines Sprechers mehrere Monate dauern. Nimmt das Gericht die Anklage an, wird es zu einem der größten Wirtschaftsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik kommen.

Ackermann ist nicht der einzige Manager der Deutschen Bank, der sich in juristischen Auseinandersetzungen befindet. So hatte das Münchener Landgericht Mitte Februar festgestellt, dass der frühere Vorstandschef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Rolf Breuer, wegen Aussagen über die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe im Februar 2002 zu Schadenersatz verpflichtet sei. Er und die Bank müssten Kirch und seiner Firma Taurus Holding alle Schäden ersetzen, die durch außergewöhnlich offene Bemerkungen Breuers zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe entstanden seien.

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