"Unüberwindbare Differenzen"
Wechsel Ronaldos zu Real definitiv geplatzt

Der Wechsel des brasilianischen Stürmerstars Ronaldo von Inter Mailand zu Real Madrid ist nach wochenlangem Tauziehen endgültig geplatzt. Es gebe zwischen beiden Vereinen "unüberwindbare Differenzen", teilte der spanische Club am Freitag auf seiner Internet-Seite mit.

HB MADRID/ROM. Die Verhandlungen seien am Morgen abgebrochen worden, da eine Einigung unmöglich geworden sei. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als stünde ein Übereinkommen unmittelbar bevor. Grund des Scheiterns waren die finanziellen Forderungen der Italiener.

Die Präsidenten beider Clubs, Massimo Moratti und Florentino Pérez, hatten sich bei einem Treffen auf ihren Yachten vor der malerischen Kulisse der Balearen-Insel Formentera am Donnerstagabend darauf verständigt, dem Millionen-Poker binnen 24 Stunden ein Ende zu setzen. Der von dem 25-jährigen Ausnahmefußballer gewünschte Transfer zu den "Königlichen" war demnach nur noch eine Frage des Geldes. Real Madrid bot 12 Mill. Euro plus zwei Spieler. Zur Auswahl standen Torjäger Fernando Morientes, Stürmer Pedro Munitis oder Mittelfeldakteur Flavio da Conceicao.

Inter schraubte zwar die ursprünglich geforderten 100 Mill. Euro auf schließlich 50 bis 60 Mill. herunter, wollte aber dafür im Gegenzug Reals argentinischen Mittelfeldstar Santiago Hernán Solari. Die Madrider waren zwar unter Umständen bereit, der Geldsumme zuzustimmen, doch Solari wollten sie nicht hergeben. Die Verhandlungen, die nach dem "Yacht-Gipfel" von den Managern beider Clubs, Jorge Valdano und Massimo Moretti, fortgesetzt wurden, scheiterten schließlich. Die Sportzeitung "Marca" hatte bereits frohlockt und in ihrer Freitag-Ausgabe erneut eine Fotomontage Ronaldos im weißen Real-Trikot abgebildet. "Ronie, jetzt oder nie", lautete der Titel.

In Italien dagegen war der Torschützenkönig der vergangenen WM bereits als "ingrato" (Undankbarer) beschimpft worden. Herbe Kritik gab es an Ronaldo auch, weil Inter-Präsident Moratti ihn immer wie einen Sohn behandelt hat. Er verlängerte den Vertrag des Brasilianers, obwohl ihn viele nach der zweiten Knieoperation schon als Sportinvaliden sahen. Der 25-Jährige bekam vom Moratti sogar Inter-Anteile überschrieben, er war in gewisser Weise also sein eigener Arbeitgeber.

Der Vertrag Ronaldos in Mailand läuft noch bis 2006, der 25- Jährige will den Verein aber wegen seiner Differenzen mit dem gestrengen argentinischen Trainer Héctor Cúper verlassen. "Bei Inter gibt es keinen Gott und keinen Retter", hatte dieser über die Sonderstellung des "Phänomens" gesagt. Zudem wollte Ronaldo unbedingt an der Seite Figos, Zidanes und Raúls spielen.

Der in Spanien bereits als perfekt geglaubte Wechsel des Weltmeisters nach Madrid wäre der Transfer-Coup des Jahres gewesen. Bereits mit der Verpflichtung von Figo (70 Mill. Euro) und Zidane (78 Mill. Euro) war Bauunternehmer Pérez die Sensation gelungen. Rein technisch wäre Ronaldo für Real allerdings eher eine Sache des Images und des Marketings gewesen: Der Champions-League-Sieger benötigt keinen neuen Stürmer, sondern vielmehr einen Innenverteidiger.

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