Ununterbrochener Einsatz Tausender Helfer
Hochwasser-Lage nur leicht entspannt

Zwei Wochen nach Beginn der Hochwasserkatastrophe ist die Lage in zahlreichen betroffenen ost- und norddeutschen Gebieten am Wochenende trotz punktueller Entspannungen weiterhin kritisch geblieben.

Reuters HAMBURG/BERLIN. Angesichts zum Teil nur langsam sinkender Pegelstände und weiterhin enormen Wasserdrucks auf die durchnässten Deiche rechneten die Behörden erst im Laufe der Woche damit, großflächiger Entwarnung geben zu können.

Dank des ununterbrochenen Einsatzes Tausender Helfer hielten die aufgeweichten Deiche entlang der Elbe. Sickerstellen wurden immer wieder sofort durch neue Sandsäcke und Folien abgedichtet. Tausende Menschen konnten am Wochenende wieder in ihre Häuser zurückkehren. Der als Weltkulturerbe eingestufte Wörlitzer Park ist nach Angaben der Behörden nicht mehr bedroht. Die Bahn nahm weitere Strecken in Ostdeutschland wieder eingeschränkt in Betrieb. Bundesbauminister Kurt Bodewig (SPD) kündigte an, ab Donnerstag würden erste 70 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Wohnungen und Häusern bereitgestellt.

Die Wasserstände der Elbe gingen überall zurück, wenn auch unterschiedlich schnell. Am schnellsten sanken die Pegelstände in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, deutlich langsamer weiter elbabwärts. Überall entlang der Dämme wurden Deichläufer eingesetzt, um Leckstellen möglichst früh zu entdecken. "Die Lage ist stabil, aber noch keineswegs entspannt", hieß es im Amt Neuhaus bei Lüneburg auf der nördlichen Seite der Elbe. Hier waren am Sonntag noch gut 4000 Helfer im Einsatz, um Leckagen im Deich sofort zu schließen. "Die Gefahr bleibt, solange das Wasser so hoch steht", sagte ein Sprecher der Einsatzleitung. Am Sonntagnachmittag fiel das Wasser pro Stunde um einen halben Zentimeter. Frühestens Mitte bis Ende der Woche werde mit deutlich stärker sinkenden Pegelständen gerechnet. Solange bleibe der Katastrophenfall aufrecht.

Die Behörden meldeten weiterhin nur sehr langsam sinkende Pegelstände auch im Bereich zwischen Schnackenburg und Lauenburg. Die Katastrophenstäbe entlang der Elbe haben sich darauf eingerichtet, dass die Zahl undichter Stellen in den nächsten Tagen noch weiter zunehmen wird. Hundertausende Sandsäcke lägen in Depots bereit, hieß es. Bislang seien mehr als 100 undichte Stellen von den Eingreiftruppen der Feuerwehr mit Sandsäcken und Folien gesichert worden.

Auch in Pisselberg im Kreis Lüchow-Dannenberg, wo ein Damm am Elbe-Nebenfluss Jeetzel zu brechen drohte, wurde weiterhin mit Hochdruck gearbeitet, um ein 2,5 Kilometer langes Deichstück mit Folie und Sandsäcken abzudichten. "Bisher haben wir die Lage im Griff", sagte die Sprecherin des Landkreises. "Der Wasserstand geht runter, aber das Risiko, dass die Deiche durchbrechen, steigt." Auf dem Damm verläuft die Eisenbahnstrecke Lüneburg-Dannenberg, auf der im November die nächsten Castor-Behälter mit Atommüll ins Zwischenlager Gorleben transportiert werden sollen.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mahnte im Berliner Inforadio, man dürfe sich angesichts der leicht sinkenden Pegelstände nicht in falscher Sicherheit wähnen und müsse an den Deichen wachsam bleiben. "Die Elbe schläft nicht, sie lauert." Im besonders kritischen Bereich Wittenberge sank die Elbe bis Sonntagnachmittag auf 6,50 Meter und lag damit zwei Meter unter der Deichkrone. Vermutlich werde Montag die höchste Warnstufe aufgehoben, hieß es im Krisenstab.

Im Wörlitzer Winkel in Sachsen-Anhalt wurden zwei Deiche gesprengt, damit Wassermassen in die Elbe und auf Elbwiesen abfließen konnten. Dadurch sei so viel Druck von den Deichen genommen worden, dass für den Wörlitzer Park keine Überflutungsgefahr mehr bestehe, sagte ein Sprecher des Krisenstabes. Allerdings drohten neue Gefahren für die Umwelt. In der Region Bitterfeld und Dessau treibe viel Öl auf dem Wasser, sagte der Sprecher. Feuerwehr und THW setzten Spezialgerät ein, um das Öl abzusaugen. In der Landeshauptstadt Magdeburg, wo die Elbe pro Tag rund 40 Zentimeter sank, könne der Katastrophenalarm spätestens am Montag aufgehoben werden, sagte eine Sprecherin des Krisenzentrums. Am Wochenende seien schon Tausende Menschen in ihre geräumten Häuser zurückgekehrt.

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