Unverbindliche Goodwill-Erklärung oder rechtsverbindliche Haftungserklärung?
Sportgate zieht gegen Boris Becker vor Gericht

Wieder einmal muss sich Ex-Tennisstar Boris Becker am Donnerstag vor Gericht einfinden. Sein letztes Gerichtsverfahren im Oktober 2002 (siehe Archiv-Foto) brachte ihm zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 500 000 Euro wegen Stuerhinterziehung ein. Dieses Mal geht es vor dem Landgericht München I um noch mehr Geld, nämlich um rund 1,5 Millonen Euro.

HB MÜNCHEN. Das Internetportal Sportgate, an dem Becker beteiligt war, steht im Mittelpunkt des millionenschweren Zivilstreits. Ende März 2001 ging Sportgate, das mit Sportinformationen und Kontaktbörsen vor allem Freizeitsportler ansprechen wollte, an den Start - mit monatelanger Verspätung. Nur wenige Monate später - im Sommer 2001 - schlidderte das glamourös angekündigte Unternehmen in die Insolvenz. Insolvenzverwalter Hartwig Albers verklagte den Ex-Tennisstar auf Zahlung von 1,5 Millionen Euro plus Zinsen. Er berief sich dabei auf eine Erklärung, in der Becker sich zum Ausgleich von Sportgate- Verlusten bis zu 1,5 Millionen Euro bereit erklärt hatte.

Das Erstaunen des Richters beim Prozessauftakt Mitte September war unüberhörbar. "Ich kann nicht verstehen, warum Sie das unterschrieben haben. Das ist doch kein Taschengeld, auch wenn man über ein viel größeres Vermögen verfügt", sagte der Vorsitzende Richter der 12. Zivilkammer des Landgerichts München I, Stefan Bischoff, damals dem Ex-Tennisstar mit Blick auf die von ihm im Sommer 2000 unterzeichnete Erklärung. "Ich habe den Eindruck, Sie haben sich nicht viel dabei gedacht."

"Wir waren nicht von Juristen umgeben", versuchte Becker vor Gericht die Entstehung des recht laienhaft wirkenden Papiers zu erklären. Nun ist das in englischer Sprache verfasste Blatt aber in der Welt, und seine Bewertung durch das Zivilgericht scheint für den Ausgang des millionenschweren Streits entscheidend. Die Kammer muss mit ihrem Urteil entscheiden, ob es sich nur um eine unverbindliche Goodwill-Erklärung oder um eine rechtsverbindliche Haftungserklärung handelte.

Beim ersten Prozesstermin im September hatte Richter Bischoff die Parteien zu einem Vergleich aufgefordert - und zur Klage des Insolvenzverwalters gegen Becker bemerkt, deren Erfolgschancen seien "mit großen Fragezeichen versehen". Dennoch lehnte Insolvenzverwalter Albers den Vergleichsvorschlag des Gerichts auf Zahlung von 150 000 bis 300 000 Euro ab. Beckers Anwälte signalisierten Gesprächsbereitschaft, doch die Anwälte der Gegenseite pochen auf mindestens eine Million Euro.

Auch alle Anstrengungen kurz vor der Urteilsverkündung brachten offensichtlich nichts. Mit Blick auf einen doch noch möglichen außergerichtlichen Vergleich war der Urteilstermin eigens vom 11. Dezember um eine Woche nach hinten verlegt worden. Doch es half alles nichts - nun muss das Gericht den Streitfall Becker gegen Sportgate entscheiden.

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