Unverständnis
Zwangsarbeiter-Stiftung weist Untreue-Vorwurf zurück

Die Stiftung zur Entschädigung früherer Zwangsarbeiter hat Betrugs- und Untreuevorwürfe im Zusammenhang mit Zahlungen an Opfer in Polen zurückgewiesen. Eine entsprechende Anzeige des Kuratoriumsmitglieds Lothar Evers sei ihm völlig unverständlich, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Michael Jansen, am Sonntag in Berlin.

Reuters BERLIN. Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" habe nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Für den 10. Oktober sei eine Kuratoriumssitzung angesetzt, auf der Wechselkursverluste erörtert werden sollten, die beim Umtausch einer Zahlungsrate für ehemalige Zwangsarbeiter in Polen entstanden seien.

Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge bezieht sich die Anzeige bei der Berliner Staatsanwaltschaft auf einen Schaden von mindestens 183 Mill. DM. Ein Berliner Justizsprecher war am Sonntag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Umtausch der gesamten ersten nach Polen gehenden Rate in Höhe von 1,3 Mrd. Mark habe auf einem Wunsch der polnischen Partnerorganisation beruht, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung. Die Zustimmung des Bundesfinanzministeriums sei eingeholt worden. Der Umtausch sei am 30. Mai vereinbart worden, als der Kurs der polnischen Währung Zloty sich in einem seit Monaten anhaltenden Aufwärtstrend befunden habe. Rund drei Wochen nach dem Tausch sei der Zloty aber erheblich gefallen. Eine Finanzkrise in Argentinien habe den Sturz bewirkt.

"Weder wir noch die Banken konnten diese Krise vorhersehen", machte Jansen geltend. Nach Angaben der Stiftung wird mit Unterstützung der Regierungen beider Länder nach einer Lösung gesucht, um die Nachteile der Kursentwicklung für die Opfer zu minimieren. Die Stiftung ist mit 10 Mrd. DM ausgestattet, die je zur Hälfte von der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft aufgebracht werden.

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