Unwetter-Katastrophen in Europa
Millionenschäden für die Bauern

Die schweren Unwetter der vergangenen Woche verhagelt den Bauern ihre Ernten. Doch Verbraucher müssen noch keine höheren Preise für Lebensmittel fürchten.

Reuters BERLIN. Nach den Unwettern der vergangenen Wochen müssen viele Bauern in Deutschland mit erheblichen Ernteausfällen rechnen. Vor allem bei der Getreide- und Kartoffelernte in Nord- und Ostdeutschland stehen den Landwirten nach Angaben der Bauernverbände beträchtliche Ertragseinbußen in Höhe von 20 bis 30 Prozent ins Haus. Wenn das Wetter weiter schlecht bleibe, könnten die Verluste noch deutlich höher ausfallen, schätzen Experten. Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn dürfte die Angebotsverknappung beim Getreide aber nicht die Brotpreise steigen lassen. Auch bei Obst und Gemüse sei derzeit nicht mit einem Anziehen der Preise zu rechnen.

Kosten für Bauern in dreistelliger Millionenhöhe

"Wir schätzen die Einbußen beim Getreide für die Landwirte in Niedersachsen auf mehr als 100 Millionen Euro", sagt Wolfgang Arens, Sprecher des Landesbauernverbands Niedersachsen. Mindereinnahmen entstehen den Bauern vor allem durch die höheren Reinigungs- und Trocknungskosten sowie den Qualitätsverlust. Steht das Getreide zu lange auf dem Halm, weil der Regen die Ernte verhindert, wird es feucht, fängt an zu keimen und verliert an Gewicht und Qualität. "30 Prozent des angebauten Brotweizens sind derzeit nur noch als Futterweizen zu verkaufen", sagt Arens.

Damit wirft die Tonne Weizen nach ZMP-Angaben je nach Region und Marktlage zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag für den Landwirt ab. Sollte das schlechte Wetter anhalten, sei das Getreide nicht einmal mehr als Tierfutter zu gebrauchen und damit als Totalausfall zu verbuchen. "Jeder Tag, den es jetzt noch mehr regnet, verschlechtert die Lage weiter."

Land unter auf den Äckern

Neben dem Getreide sind in Niedersachsen auch die Kartoffeln stark betroffen. Nach Angaben des Landesbauernverbands sind von 77.000 Hektar Kartoffeln 15.000 bis 20.000 Hektar überflutet und zum Teil gravierend geschädigt. Die Kartoffeln verfaulen oder sind wegen der hohen Feuchtigkeit nicht mehr lagerfähig. Insgesamt treffen die Regenfälle rund 30 bis 40 Prozent der 60.000 Landwirtschaftsbetriebe im Gebiet des norddeutschen Verbandes.

Ähnlich kritisch sieht die Lage in Mecklenburg-Vorpommern aus. "Zurzeit ist hier in weiten Landesteilen Land unter, da kommen die Bauern gar nicht mehr auf ihre Äcker", sagt Torsten Weidmann, Referent für Betriebswirtschaft beim Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern. "Wir hatten hier Anfang August stellenweise an einem Tag so viel Niederschlag wie sonst im ganzen Monatsdurchschnitt." Die Landwirte hätten mit der Getreideernte große Mühe. Ersten Rückmeldungen zufolge seien die Erträge um 20 bis 30 Prozent zum Vorjahr gesunken. Die Bauernverbände zeigen sich um Schadensbegrenzung bemüht. Niedersachsen verhandelt derzeit mit der Europäischen Union (EU) darüber, EU-Flächenzahlungen an die Bauern vorzuziehen, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Daneben fordert der Bauernverband auch Steuerstundungen für die Landwirte.

Kein Anstieg der Brotpreise zu erwarten


Nach Einschätzung von Detlef Römer von der ZMP in Bonn werden die Ernteausfälle zwar die Landwirte belasten, dürften jedoch nicht auf den Geldbeutel der Verbraucher drücken. Ein Anstieg der Brotpreise wegen des geringeren Weizenangebots sei nicht zu erwarten. Das Mehl, dass in einem Brötchen verarbeitet werde, mache mit Kosten von 0,5 bis einem Cent nur einen Bruchteil des Gesamtpreises aus. "Selbst wenn sich die Weizenpreise auf Erzeugerebene verdoppeln würden, müsste ein Brötchen kaum teurer werden."

Darüber hinaus könne etwa die Rekord-Weizenernte in Frankreich mögliche Engpässe auf dem deutschen Markt ausgleichen. Die Verbraucher sollten daher darauf achten, dass die Ernteausfälle nicht zum Vorwand genommen würden, um Brotpreise zu erhöhen. Auch andere Produkte, wie etwa Salat oder Gemüse, sind nach ZMP-Angaben derzeit nicht von Preiserhöhungen betroffen.

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