Unwetterwarnung online und in Echtzeit
Wetterdienst entdeckt das Internet

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) will von September an ein neues Verfahren zur Unwetterwarnung einführen.

HB/dpa OFFENBACH. Die Initiative läuft unter dem Namen "Konrad" und wird derzeit mit Feuerwehren in Ingolstadt und München erprobt. Dabei übermittelt der Wetterdienst in Echtzeit per Internet Radardaten über Intensität, Zugrichtung und Windgeschwindigkeit des Unwetters. Feuerwehren und Polizei können damit ihre Einsätze genauer planen.

Außerdem will der DWD seine Unwetterwarnungen in Zukunft flotter formulieren. Die Vorhersagen sollen "nicht mehr so trocken" sein, kündigte Wolfgang Kusch, der für Medienkunden zuständige Leiter des Geschäftsbereichs, an. Unter anderem werde klarer unterschieden zwischen Vor-Warnungen und Unwetterwarnungen. Neuer Pressesprecher soll von August an der Journalist Uwe Kirsche werden.

Hätten die Einsatzkräfte in Berlin bei dem schweren Unwetter vom 10. Juli "Konrad" zur Verfügung gehabt, wären die Schäden unter Umständen nicht so gravierend gewesen, so die Ansicht von DWD-Präsident Udo Gärtner. "Der Vorteil ist, dass die Helfer vor Ort den Verlauf des Unwetters erstens in Echtzeit und zweitens mit eigenen Augen sehen."

Gerhard Steinhorst, der für Vorhersagen und Warnungen zuständige Leiter des DWD-Geschäftsbereichs Basisdienst, sagte, eine Testversion von "Konrad" laufe seit rund einem Jahr im Intranet des Wetterdienstes. Von September an wird eine vorläufige Version im Internet angeboten, Interessenten bekommen per Passwort Zugang. Bis Sommer 2003 soll das System technisch so weit verbessert werden, dass es bundesweit angeboten werden kann.

"Konrad" bezieht seine Daten aus 16 Radarmessgeräten, die über ganz Deutschland verteilt sind. Die Radarwellen werden an Wassertröpfchen oder Hagelkörnern reflektiert; auf dem Bildschirm zu sehen sind Zellen (Cluster), die sich bewegen. Daraus ließen sich Rückschlüsse ziehen auf den Fortgang des Unwetters. Die Radar-Bilder werden im Abstand von fünf Minuten gewonnen, erklärte Steinhorst, und ließen eine Prognose für die nächste halbe Stunde zu. "Die Kunden können auf dem Bildschirm selbst sehen, in welche Richtung mit welcher Geschwindigkeit das Unwetter sich bewegt."

Einen ähnlichen Dienst gibt es im Internet bereits seit langem kostenlos - beispielsweise unter der Adresse www.reisewetter.de oder www.wo-regnet-es.de.

In Offenbach will der DWD ein Fernsehstudio einrichten. Sender könnten dort im Falle einer Unwetterwarnung eine Liveschaltung zu einem Meteorologen bekommen. Im Internet sollen künftig nicht nur Unwetterwarnungen, sondern "der gesamte Warnstatus" vor der meldepflichtigen Stufe einsehbar sein.

Jörg Kachelmann, Chef des privaten Wetterdienstes Meteomedia, nannte die Einführung von "Konrad" eine "Panikreaktion" des DWD. Das System sei lange bekannt und hätte schon seit Jahren angeboten werden können und müssen. Dennoch sei dies ein Schritt in die richtige Richtung.

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