Unzufriedenheit über den Bundeskanzler
Top-Manager kritisieren Politik der „ruhigen Hand“

Eine Politik der "ruhigen Hand" reicht nach Ansicht der deutschen Top-Manager zur Bewältigung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage nicht aus. Die deutliche Mehrheit der Führungskräfte der Wirtschaft (60 %) ist dafür, dass die Bundesregierung Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur ergreifen sollte, 39 Prozent sind dagegen.

HB DÜSSELDORF. Dies ergab die repräsentative Befragung des Monats September im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors (Freitagausgabe). Vor allem Handel (68 %), Baugewerbe (64 %) sowie Metall-, Fahrzeug-, Maschinen- und Elektroindustrie (64 %) erwar-ten positive Wachstumsimpulse von Initiativen der Bundesregierung.

Mit besonderem Nachdruck verlangt die Wirtschaftselite von Bundeskanz-ler Gerhard Schröder (SPD), die für 2003 geplante nächste Stufe der Steuer-reform zeitlich vorzuziehen: 78 Prozent plädieren hierfür, auch wenn da-durch die Steuereinnahmen des Staates zurückgehen. Nur ein Fünftel (21 %) votiert dafür, die rot-grüne Koalition solle an ihren Planungen zur Steuerreform weiter festhalten.



Die Forderung der Wirtschaft nach konjunkturfördernden Maßnahmen bedeutet aber nicht, dass man eine weniger zurückhaltende Ausgabenpolitik erwartet. Vielmehr meint eine deutliche Mehrheit der Top-Manager (71 %), die Regierung solle grundsätzlich bei dem eingeschlagenen Sparkurs bleiben, 28 Prozent verlangen hier eine Lockerung. Vor allem im krisenge-schüttelten Baugewerbe (42 %) wird die Position vertreten, der Staat solle mit seiner Ausgabenbeschränkung nicht mehr so rigide verfahren und ruhig höhere Haushaltsdefizite in Kauf nehmen.



Die Kritik an der derzeitigen Wirtschaftspolitik der Bundesregierung schlägt sich offenbar auch in deren Leistungsbewertung nieder. Insbesondere Kanzler Schröder gerät verstärkt ins Visier der Kritik. Kabinett und Regierungschef erhalten im September 2001 die schlechtesten Noten seit Ende 1999. Rund die Hälfte (49 %; +13 Prozentpunkte im Vergleich zu Juni 2001) meint im September, die rot-grüne Regierung mache ihre Sache "schlecht" (44 %; +10) oder "sehr schlecht" (5 %; +3). Etwa eben so viele (46 %; -8) urteilen mit "befriedigend", nur jeder zwanzigste (5 %; -4) mit "gut". Die daraus resultierende Durchschnittsnote auf der von 1 (=sehr gut) bis 5 (=sehr schlecht) reichenden Bewertungsskala von nun 3,5 (nach 3,3 im Juni 2001) ist so schlecht wie seit Ende 1999 nicht mehr (Dezember 1999: 3,6).

Deutlich mehr Unzufriedenheit als zuletzt geben die Top-Manager vor allem auch gegenüber Bundeskanzler Gerhard Schröder zu erkennen. Auch er erhält von ihnen die kritischste Bewertung seit Dezember 1999 (Note 3,4 im September nach 3,1 im Juni; Dezember 1999: 3,5).

Im Auftrag des Handelsblatts führt das Psephos-Institut für Wahlfor-schung und Sozialwissenschaft Befragungen eines repräsentativen Panels von Führungskräften der Wirtschaft in Deutschland durch. Diese werden - mit Ausnahme der Sommerpause - monatlich durchgeführt. Im Rahmen des Business-Monitors im September wurden vom Psephos-Telefonstudio, Hamburg, 813 Führungskräfte in der Zeit vom 21. August bis 7. September 2001 mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Auf Grund der Stichprobenanlage ist die Befragung repräsentativ.

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