Unzureichende Kostensenkungsmaßnahmen
Lage bei Chrysler laut Zetsche "dramatisch"

Die Gewinnschätzungen für Chrysler für 2000 sind bereits mehrfach auf inzwischen unter zwei Mrd. Euro reduziert worden. Ein Ende ist dabei noch nicht in Sicht.

Reuters BERLIN. Der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" die Situation bei Chrysler als dramatisch beschrieben. "Die Chrysler-Zahlen zeigen, dass unser Unternehmen sich in einer absolut dramatischen Situation befindet", zitierte das Magazin den Daimler-Chrysler-Manager in einem Vorabbericht aus seiner neuesten Ausgabe. Dabei habe Konzernchef Jürgen E. Schrempp erklärt, die Gewinnschätzungen für Chrysler für 2000 seien bereits mehrfach auf inzwischen unter zwei Mrd. Euro reduziert worden. "Und ich fürchte, wir haben das Ende noch nicht gesehen", zitierte das Magazin Schrempp weiter.

Ein Konzernsprecher war für eine Stellungnahme zu dem Bericht nicht erreichbar. Unter Berufung auf Schrempp hieß es im "Spiegel" weiter, im Oktober seien die Chrysler-Absatzzahlen um 9 % gesunken, im November sehe es nicht besser aus. Ursprünglich habe man für Chrysler im laufenden Jahr 4,5 Mrd. Euro Gewinn erwartet, im Juli dann nur noch 3,6 Mrd. Euro und im Oktober 2,5 Mrd. Euro. Inzwischen liege man bei der Chrysler-Gewinnschätzung unter zwei Mrd. Euro. Schrempp habe zudem unzureichende Kostensenkungsmaßnahmen der alten Chrysler-Führung kritisiert.

Der "Bild"-Zeitung vom Samstag sagte Schrempp in einem Interview zum Inhalt eines angeblichen Geheimpapiers, nach dem Daimler-Chrysler in diesem Jahr annährend 20 Mrd. DM Gewinn machen werde und der Chrysler Gewinn weit über einer Milliarde Mark liegen werde: "Sie liegen nicht so verkehrt". Mercedes-Benz und der Nutzfahrzeugbereich des Konzerns würden in diesem Jahr ihre Rekordgewinne vom letzten Jahr noch einmal steigern. In Deutschland würden 5000 neue Stellen geschaffen. Auch hätten die Mitarbeiter wieder ungeachtet der Chrysler - Probleme an den hohen Gewinnen des Konzerns teil.

Ein Verkauf von Chrysler stehe trotz der aktuellen Probleme nicht an. "Quatsch, das steht überhaupt nicht zur Debatte", antwortete Schrempp der "Bild"-Zeitung auf eine entsprechende Frage. Er rechne damit, dass bereits nach zwölf Monaten die ersten konkreten Ergebnisse der Sanierungsanstrengungen bei Chrysler erkennbar sein sollten. "Ich bin sicher, dass wir dann aus dieser Situation noch stärker hervorgehen werden", sagte er. Entscheidungen über einen etwaigen Personalabbau bei Chrysler sind nach früheren Angaben von Daimler-Chrysler bislang nicht getroffen. Derzeit werde das Beschäftigungsniveau und die Fabriknutzung bei Chrysler untersucht. Zu gegebener Zeit werde man über mögliche Schritte mit der Gewerkschaftsführung sprechen. Derzeit beschäftigt Chrysler 125 000 Mitarbeiter.

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