Urabstimmung am Montag
Mehr als 40 000 Bauarbeiter streiken

Die Warnstreiks in der Bauwirtschaft haben nach Angaben der Gewerkschaft IG BAU alle Erwartungen übertroffen.

Reuters BERLIN. Am Freitag hätten mehr als 40 000 Bauarbeiter auf rund 2 500 Baustellen die Arbeit niedergelegt, sagte IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel in Berlin. Nach seinen Worten werden sich die Bauarbeiter mit großer Mehrheit für einen regulären Streik ab dem 17. Juni aussprechen. Die Urabstimmung beginnt am Montag. Wiesehügel bekräftigte aber, er sei vor oder auch während des Streiks jederzeit zu Gesprächen bereit. Voraussetzung sei ein verbessertes Angebot.

Die Gewerkschaft forderte ursprünglich 4,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber boten letztlich 1,75 Prozent an. Nachdem das Schlichtungsverfahren gescheitert war, droht dem Baugewerbe der erste flächendeckende Arbeitskampf der Nachkriegszeit. Die Schlichtung war unter anderem am Widerstand der Ost-Arbeitgeber gescheitert, den Mindestlohn in ihrem Gebiet anzuheben. Der Verband der Bauindustrie erklärte, man sei gesprächsbereit, sehe die Warnstreiks aber gelassen. Die Arbeit ruhte am Freitag zeitweise auch bei der Post sowie in Banken und Versicherungen.

Streik-Bereitschaft sehr hoch

"Die Bereitschaft zum Arbeitskampf bei den Bauarbeitern in Ost und West ist sehr hoch", sagte Wiesehügel. Er sei sich sehr sicher, dass die Urabstimmung ein Votum für einen unbefristeten Streik ergeben werde. Das Ergebnis der Abstimmung soll am Samstag vorliegen. "Wir werden den Streik dann langsam beginnen und Woche für Woche steigern", kündigte der Gewerkschafts-Chef an. "Und ich sehe keine Schwierigkeiten, dass wir den Arbeitskampf siegreich führen."

Ein Sprecher des Hauptverbandes der Bauindustrie sagte, die Lage auf den Baustellen sei sehr ruhig. Man sei aber jederzeit gesprächsbereit, ein neues Angebot werde aber zunächst nicht vorgelegt. Man sei nach der Schlichtung sehr dicht beieinander gewesen. Es gebe daher keinen Grund, sich in dieser Situation mit einem Streik zu belasten. Vorwürfe von Wiesehügel, die Arbeitgeber Ost und West hätten keine gemeinsame Haltung, wies der Sprecher zurück.

Der Streit über den Mindestlohn hat für die Ost-Bauwirtschaft eine besondere Bedeutung, da nach Angaben der Gewerkschaft etwa 80 Prozent der Bauarbeiter diesen Lohn erhalten. Befürchtungen der Arbeitgeber, der Streik werde besonders dort zu einem weiteren Austritt von Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband führen und damit den Flächentarifvertrag gefährden, wies Wiesehügel zurück. Im Gegenteil werde der Streik eher eine Solidarisierung im Arbeitgeberlager bewirken.

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