Uralte Bewertungskennzahl erlebt in jüngster Zeit ein Comeback
Dividenden bringen Stabilität ins Depot

Manche Aktien locken derzeit mit hohen Dividendenrenditen. Sie bedeuten für Aktionäre regelmäßige Einkünfte, was gerade in der Baisse beruhigend wirkt. Zudem bringen viele Dividendenbringer auf Dauer auch höhere Gesamterträge. Der Haken: Investoren tragen das Risiko von Dividendenkürzungen oder-streichungen.

HB DÜSSELDORF. Im Zeitalter der New Economy wirkten Dividenden hoffnungslos veraltet: Kaum ein Unternehmen der Internet-Wirtschaft zahlte seine Gewinne - falls es denn welche hatte - an die Investoren aus. Schließlich lockten scheinbar überall Investitionsmöglichkeiten, die enormes Wachstum und irgendwann, in sehr ferner Zukunft, riesige Gewinne versprachen.

Doch inzwischen feiert die Old Economy ihr Comeback - und mit ihr die gute alte Dividendenrendite. "Viele Investoren, gerade große angelsächsische Fondsmanager, achten derzeit besonders auf Dividenden", sagt Rolf Elgeti, Stratege der Commerzbank in London. Gerhard Schwarz, Leiter der Abteilung Portfoliostrategie bei der Hypo-Vereinsbank in München, sagt: "Dividendenstrategien waren in den vergangenen Monaten sehr erfolgreich."

Die Bedeutung von Dividenden für den Anlageerfolg wird unterschätzt, glaubt James Montier, Anlageexperte der Dresdner-Bank-Tochter Kleinwort Wasserstein. "Langfristdaten zeigen, dass Dividenden im Schnitt 52 % der realen Erträge von Aktien ausmachen", betont er. Wissenschaftliche Studien ergaben zudem, dass Aktien mit hoher Dividendenrendite auf Dauer den Gesamtmarkt schlagen. Zum Vergleich: Die meisten Fondsmanager schaffen dies nicht.

Auch Privatanleger können sich an dieser uralten Bewertungszahl orientieren, die bereits Benjamin Graham, einer der Erfinder der modernen Finanztheorie, in den 1920er-Jahren erfolgreich einsetzte. Die Dividendenrendite (Dividende geteilt durch aktuellen Aktienkurs) gibt an, wie viel Mark Ausschüttung Anleger erwarten können pro Mark, die sie für eine Aktie bezahlen. Allerdings hat das Konzept einen großen Haken: Implizit wird angenommen, dass die nächste Dividende genauso hoch ausfällt wie die vorige. "Genau hier liegt das Problem - dass diese Bewertungszahl meist in die Vergangenheit gerichtet ist", sagt Vereinsbank-Experte Schwarz.

Natürlich sind auch diese Schätzungen auf künftig zu erwartende Dividenden mit Unsicherheit behaftet. Aber zumindest fallen bei einer zukunftsgerichteten Betrachtung die Firmen durchs Raster, die wegen arger Finanzprobleme ihre Dividende aller Voraussicht nach kürzen oder gar streichen dürften.

"Stabile Dividende Signal für gesundes Kerngeschäft"

Andererseits wissen die Unternehmen genau, dass Dividendenzahlungen gerade in schwierigen Börsenzeiten ein wichtiges Kaufargument sind. "Mit stabilen Dividenden signalisieren Unternehmen, dass ihr Kerngeschäft gesund ist", erläutern die Anlagestrategen der Investmentbank Credit Suisse First Boston in einer aktuellen Studie. "Diese Signalfunktion wird in der unsicheren aktuellen Lage noch wichtiger", heißt es dort weiter.

Viele Firmen werden schon deshalb versuchen, das nötige Geld für ihre Dividende zusammenzukratzen. "Es kommt darauf an, sich jedes Unternehmen einzeln genau anzusehen", sagt Volker Borghoff, Aktienstratege der Privatbank HSBC Trinkaus. So hat die Deutsche Industriebank (IKB) - einer der Top-Dividendentitel im M-Dax - nach eigenen Angaben die Dividende seit ihrer Gründung 1949 nicht gekürzt. Auch die britischen Spitzenreiter im europäischen Aktienindex DJ Stoxx 50 gelten als treue Dividendenzahler. "Englische Anleger sind aus historischen Gründen an stetige Ausschüttungen gewöhnt", sagt Commerzbank-Experte Elgeti. Die Finanzriesen Lloyds TSB und HSBC könnten daher zur Not versteckte Reserven heben, um die Aktionäre zu bedienen. Auch der Stahlriese Thyssen-Krupp dürfte versuchen, trotz akuter Geschäftsflaute die Dividende konstant zu halten - schon um seine Aktionäre nicht zu enttäuschen und den eigenen Kurs nicht noch weiter zu drücken.

Auf der Jagd nach Dividendenschätzen sollten Anleger allerdings auf die Branchenzusammensetzung achten. Denn oft bieten gerade Unternehmen aus wachstumsschwachen, zyklischen Bereichen hohe Dividenden. Sie brauchen die Ausschüttungen, um Investoren anzulocken. Ein ausgeglichenes Wertpapierdepot sollte aber nicht nur Branchen wie Maschinenbau, Stahl und Grundstoffe enthalten.

Übrigens: Wer seine Dividendentitel nicht mit Mühe selbst auswählen will, kann auch auf entsprechende Zertifikate von Banken zurückgreifen: Unter anderem die Deutsche Bank, die Hypo Vereinsbank - und Merrill Lynch bieten Aktienkörbe an, die auf Basis von Dividendenstrategien ausgewählt werden. Doch Vorsicht: Bei einigen Produkten behalten die Banken ironischerweise die Dividenden für sich. Der Anleger zahlt dafür weniger Gebühren.

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