Urheberrechte sollen auch im Internet geschützt werden
Musik-Industrie ahmt Napster nach

Napster hat es vorgemacht, jetzt ziehen alle großen Musikkonzerne nach. In den vergangenen Tagen folgte eine Ankündigung einer neuen Musikplattform auf die andere.

ddp MÜNCHEN. Bertelsmann, Sony, EMI, BMG, Universal und auch der Portalbetreiber Yahoo steigen in das Online-Geschäft mit Musik ein. Napster hat mit seiner nicht kommerziellen Tausch-Plattform und rund 75 Millionen registrierten Usern offenbar die Musikindustrie unter Druck gesetzt. Ein Verbot von Napster, wie es die US-amerikanischen Musik-Konzerne in den vergangenen Monaten durchzusetzen versucht haben, scheint nicht ihr einziges Mittel zu sein, um das Kundenpotenzial zu halten. Die Musikbranche stellt ein eigenes System auf die Beine, um ihre Ware über das Internet zu verkaufen.

Erst am Donnerstag meldete der britische Musiksender MTV, dass er zusammen mit fünf Plattenfirmen eine starke Musikplattform im Internet aufbauen wird. "Wir wollen die ultimative Destination rund um Musik im Internet werden", sagt Joel Berger, Leiter von MTV Interactive. Napster sei für das MTV-Projekt kein direktes Vorbild, da es eine Tauschbörse ist. MTV setze sich mit seinem Online-Angebot das Ziel, Service zu bieten. Der Download von Musikdateien muss schnell und einfach sein, sagte Berger weiter. Er zeigte sich überzeugt, dass alle Beteiligten davon profitieren: "Wir als MTV können unseren Service verbessern, und die Plattenfirmen eröffnen sich einen weiteren Distributionsweg für ihre Produkte." Berger machte allerdings auch kein Hehl daraus, dass die Verhandlungen mit den Plattenfirmen äußerst schwierig und langatmig waren. "Die meisten Plattenfirmen sehen ihre Musik und die Künstler immer noch als Produkt an." Dabei habe die Musik schon längst den Stellenwert einer Dienstleistung erreicht. Die mittelfristige Zukunftsperspektive sieht Berger nicht in dem jetzt vereinbarten Bezahlsystem nach heruntergeladenen Musiktiteln, sondern in einem Abodienst. Die Nutzung der Downloads soll dann pauschal abgegolten werden.

Die von Bertelsmann Anfang der Woche angekündigte Musikplattform Music-Net ist im Gegensatz zum MTV-Angebot als Großhandelsplattform gedacht. "Wir werden dort Musiktitel anbieten, und diese zum Wiederverkauf lizenziert anbieten", sagt Oliver Herrgesell, Pressesprecher bei Bertelsmann. Unter anderem plant Bertelsmann zusammen mit Warner, EMI und BMG dessen Musikstücke auch der Tauschplattform Napster anzubieten. Hintergrund: Bertelsmann hat die Option, bei Napster groß einzusteigen. Als der deutsche Medienkonzern vor wenigen Wochen die Allianz mit der Onlinetauschbörse bekannt gab, setzten sich die Bertelsmann-Manager das Ziel, Napster zu legalisieren. "Wir wollen über Napster auf legalem Weg Musik online anbieten", betonte Herrgesell. Im Juni soll dazu ein Konzept vorgestellt werden, zeitgleich soll auch Music-Net an den Start gehen. Dabei haben Napster und Music-Net optimale Voraussetzungen für einen gelungen Start. Die registrierten User, die bisher kostenlos über die Napster-Server getauscht haben, sind potenzielle Kunden für ein kostenpflichtiges Napster-Angebot.

Bertelsmann hat sich Herrgesell zufolge beim Thema Musik über das Internet zwei Ziele gesetzt. Zum einen will der Konzern die Urheberrechte der Musiker und Autoren berücksichtigen, zum anderen zeigen, dass Napster nicht eine kriminelle Einrichtung sondern eine tolle Sache ist. Die Musikindustrie solle sich die technische Leistung zu Nutze machen, anstatt sie zu verurteilen. Das haben die Musikkonzerne jetzt umgesetzt - zwar noch jeder für sich, aber Fachleute gehen davon aus, dass schon in naher Zukunft auf jeder Musikplattform auch jeder Titel herunterzuladen ist.

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