Urteil Ende April erwartet
Gebühren für Radioberichte vom Fußball

Das Hamburger Landgericht muss bis zum 26. April darüber entscheiden, ob Bundesliga-Vereine von privaten Hörfunksendern Geld für deren Berichterstattung aus den Stadien verlangen dürfen.

rtr HAMBURG. Mit einer am Mittwoch erstmals verhandelten Klage gegen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sowie die Hamburger Clubs HSV und St. Pauli will Radio Hamburg stellvertretend für 60 Privatsender erreichen, dass das Gericht die Existenz so genannter Hörfunklizenzen grundsätzlich verneint. Die Entscheidung könnte umfassende Konsequenzen für die Einnahmen der Vereine und die Kosten der Radiosender haben.

"Hier geht es um eine Grundrechte-Abwägung", sagte der Vorsitzende Richter Bolko Rachow zum Prozessauftakt. Dem Recht auf freie Berichterstattung der Sender stehe das Recht auf geschütztes Eigentum, das Hausrecht, der Vereine gegenüber. Die Frage sei nun, ob Live-Berichterstattung direkt aus den Stadien notwendig sei, um dem Grundrecht auf Pressefreiheit gerecht zu werden. "Oder ob es reicht, wenn sich der Reporter ein Ticket kauft, im Stadion Notizen macht und dann von draußen berichtet."

Radio Hamburg war in der Saison 2000/2001 der Zutritt zu den Hamburger Stadien mit der Begründung verwehrt worden, der Sender müsse künftig Lizenzgebühren entrichten. Damals hatten die Bundesliga-Vereine praktisch alle privaten Radiosender erstmals zur Zahlung solcher Gebühren aufgefordert. Hintergrund ist, dass seitdem die Spiele beider Bundesligen zentral von der DFL vermarktet werden. Die DFL-Vereine verlangen pro Saison zwischen 3 000 und 25 000 Euro für Einlass, Technik und Sendelizenzen.

Radio Hamburg ist zwar bereit, für Zutritt und Technik zu bezahlen. Nach Ansicht des Senders kann es aber keine Hörfunklizenzen geben, weil der Wert der Berichterstattung - anders als bei TV-Übertragungen - erst durch die Arbeit des Reporters entsteht. Die DFL ist dagegen der Auffassung, dass das Recht auf Hörfunkberichterstattung durch die wachsende Konkurrenz der Sender zu einem vermarktbaren Gut geworden sei.

Richter Rachow ließ erkennen, dass er eher die Meinung der Fußballvereine teilt. Die Sender profitierten eindeutig von der Möglichkeit der Live-Einblendungen beispielsweise bei Strafstößen. "Das sind Bonbons, mit denen die Sender ihre eigene Attraktivität erhöhen." Das Urteil werde nach schriftlichen Stellungnahmen der Parteien am 26. April verkündet.

Die DFL wertete den ersten Prozesstag positiv. "Die DFL ist auch nach Ansicht des Richters berechtigt, marktgerechte Preise für Hörfunkübertragungen zu verlangen", sagte DFL-Justiziar Thomas Summerer. "Das Gericht hat damit erkennen lassen, dass es die Klage abweisen wird." Dennoch zeigte sich auch Radio-Hamburg-Geschäftsführer Bertram Schwarz zuversichtlich. "Das ist wie ein Marathonlauf: Nicht die ersten, sondern die letzten fünf Kilometer sind entscheidend", sagte Schwarz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%