Urteil fünf Jahre nach der Entführung des Multimillionärs
Urteil im Reemtsma-Prozess

Thomas Drach, der Drahtzieher der Entführung von Jan Philipp Reemtsma, ist zu 14 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt worden.

Reuters HAMBURG. Fünf Jahre nach der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma ist Thomas Drach als Drahtzieher der Tat zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der 40-jährige Drach habe sich des erpresserischen Menschenraubes schuldig gemacht und sei "der Chefplaner" der Entführung Reemtsmas gewesen, sagte der Vorsitzende Richter des Hamburger Landgerichts, Dietrich Preuß, am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung. Mit dem Urteil blieb das Gericht nur in halbes Jahr unter der Höchststrafe und folgte damit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Thomas Drach nahm das Urteil äußerlich regungslos auf.

Drachs 28-monatige Auslieferungshaft in Argentinien soll nach dem Urteilsspruch 1,2-fach, also mit knapp drei Jahren, angerechnet werden. Die Verteidigung des Angeklagten hatte in ihrem Plädoyer zehneinhalb Jahre Haft und eine dreifache Anrechnung der Auslieferungshaft gefordert.

Gericht sah Drach eindeutig als Drahtzieher der Entführung

Das Gericht sah den 40-Jährigen eindeutig als Drahtzieher und Hauptverantwortlichen für die Entführung an. Eine Strafe "in der Nähe des Höchstmaßes" sei geboten gewesen, weil Drach einsehen müsse, dass sich "Verbrechen dieser Art nicht auszahlen", sagte Richter Preuß. Strafverschärfend hätten sich Drachs Vorstrafen wegen Raub und Erpressung ausgewirkt. Die Entführung Reemtsmas sei "lange vorbereitet und zielstrebig durchgezogen" worden. Das Opfer habe in der 33-tägigen Geiselhaft unvorstellbare Qualen gelitten. Außerdem habe sich bei der Strafzumessung negativ ausgewirkt, dass Drach den Verbleib des größten Teils des Lösegeldes weiterhin verheimlicht habe.

Der Sozialwissenschaftler Reemtsma war im Frühjahr 1996 vor seinem Haus in Hamburg-Blankenese entführt und erst nach 33 Tagen Geiselhaft gegen die Zahlung von 30 Mill. DM Lösegeld freigelassen worden. Vor Drach wurden bereits drei Mittäter zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Von dem größten Teil des Lösegeldes fehlt nach wie vor jede Spur. Drach war Ende März 1998 auf der Flucht vor der deutschen Polizei in Buenos Aires festgenommen und erst nach langem juristischen Tauziehen im Juli vergangenen Jahres an Deutschland ausgeliefert worden.

Lösegeld soll aufgeteilt worden sein

Drachs Behauptung, das Lösegeld sei zwischen ihm und dem bereits verurteilten Wolfgang Koszics geteilt worden, sei nicht glaubhaft, sagte der Richter. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Thomas Drach noch rund 25 Mill. DM versteckt hält.

Richter Preuß hielt dem Angeklagten zugute, dass dieser ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. Außerdem spreche für Drach, dass er während des Prozesses glaubwürdig bei Jan Philipp Reemtsma um Entschuldigung gebeten habe. Die Verhängung von Sicherheitsverwahrung nach Haftende lehnte das Gericht ab. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, sagte Preuß. Reemtsma, der in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten war, hatte im Laufe der Verhandlung über seinen Anwalt die Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis sowie anschließende Sicherheitsverwahrung für Drach gefordert.

Staatsanwalt Peter Stechmann sagte nach der Urteilsverkündung, er empfinde das Strafmaß als gerecht. Drachs Verteidiger äußerten sich nicht zu dem Urteil. Der Richterspruch müsse zunächst genau geprüft werden, sagte Rechtsanwalt Rüdiger Spormann. Reemtsma war der Urteilsverkündung fern geblieben.

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