Urteil: Fünfeinhalb Jahre Haft
Bundeswehranwärterin in Kaserne vergewaltigt

Der Sex-Überfall auf eine Bundeswehranwärterin in einer Münchner Kaserne ist mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe geahndet worden.

dpa MÜNCHEN. Das Landgericht München I verurteilte am Donnerstag einen ehemaligen Sanitätsobergefreiten zu fünfeinhalb Jahren Haft. Nach siebenmonatiger Beweisaufnahme bestand für die Strafkammer kein Zweifel, dass die damals 17-jährige Nebenklägerin am 30. März 2001 "Opfer einer Vergewaltigung wurde und dass der Angeklagte der Täter war".

Der 23-Jährige nahm sein Urteil ebenso wortlos auf, wie er an den vorangegangenen 35 Verhandlungstagen geblieben war. Die Anklage hatte sieben Jahre Gefängnis gefordert. Staatsanwalt Markus Koppenleitner war gleichwohl "zufrieden" mit dem Urteil. Verteidiger Hubertus Werner, der auf Freispruch plädiert hatte, kündigte Revision an.

Zur Tatzeit waren Frauen erst seit drei Monaten zur regulären Truppe zugelassen. Das inzwischen 18-jährige Vergewaltigungsopfer - sie ist jetzt bei der Polizei - war nach ihrem Eignungstest ohne Wissen von Vorgesetzten noch zwei Tage in der Kaserne geblieben. Bei ihrer Vernehmung vor Gericht hat die junge Frau eingeräumt, in dieser Zeit mit zwei anderen Soldaten freiwillig intim geworden zu sein. Möglicherweise habe der Angeklagte "falsche Schlüsse aus diesem Sexualverhalten gezogen", sagte der Vorsitzende Richter Eduard Krapf in der Urteilsbegründung.

Er bezeichnete die Zeugin aber als "absolut glaubwürdig". Insbesondere die Fülle von Details in ihrer Schilderung überzeugte die Strafkammer von der Richtigkeit ihrer Darstellung. Der Vorsitzende Richter tadelte die "Diffamierung" des Opfers durch den Verteidiger und bezeichnete "die Art und Weise der Verteidigung mit persönlichen Angriffen auf Gericht und Staatsanwaltschaft als unerträglich".

Ein Hauptmann und ein Oberleutnant der Bundeswehr, damals Kompaniechef und Zugführer des Angeklagten, sprachen von einem "absoluten Fehlurteil". Das Gericht habe die "schlechten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gedeckt", sagte der Hauptmann. "Ich muss mein Verständnis von Recht und Unrecht neu überdenken", sagte der Oberleutnant, der als Prozessbeobachter von der Bundeswehr freigestellt war.

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