Urteil im Musterprozess gesprochen
Comroad-Chef muss für sieben Jahre in Haft

Der Gründer des Telematik-Unternehmens Comroad, Bodo Schnabel, ist am Donnerstagabend vom Landgericht München I zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Prozess habe bewiesen, dass Schnabel die Umsätze der Firma in den Jahren 1999 bis 2001 fast vollständig erfunden habe, sagte der Vorsitzende Richter Wolf-Stefan Wiegand in der Urteilsbegründung.

mwb/dpa MÜNCHEN. Schnabels Frau Ingrid wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, obwohl der Staatsanwalt drei Jahre ohne Bewährung gefordert hatte. Sie hatte im Auftrag ihres Mannes Rechnungen einer Firma in Hongkong gefälscht. Dadurch wurden die Umsätze aufgebläht, was hohe Kurssteigerungen zur Folge hatte. Durch Aktienkäufe bereicherte sich das Paar um über 30 Mill. Euro.

In dem Prozess um den größten Bilanzskandal am Neuen Markt hatte Schnabel am Donnserstag am dritten Verhandlungstag überraschend ein Geständnis abgelegt, nachdem er am Vortag noch sein Teilgeständnis vom Frühjahr zurückgenommen hatte. Schnabel erklärte, er habe damals die Hoffnung auf Millionenumsätze gehabt. "Mein Fehler bestand darin, dass ich in der Euphorie des Neuen Markts ausschließlich zukunftsorientiert gehandelt habe." Die Umsätze wurden fast vollständig über eine nicht existierende Firma in Hongkong abgewickelt.

Zuvor hatte der Richter ihm zugesichert, dass er im Falle eines Geständnisses zu maximal sieben Jahren Haft verurteilt werde. Belastend für den Angeklagten seien die lange Tatdauer über mehrere Jahre, die Höhe des Schadens und die Vorstrafe wegen Konkursverschleppung gewesen. Deshalb sei das Strafmaß auch höher als bei "normalen Erstbetrügern", die in der Regel vier bis fünf Jahre Strafe bekämen. Der Richter betonte, Schnabel wäre glimpflicher davongekommen, wenn er früher ausgestiegen wäre. "Sie haben das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Börse mit erschüttert", sagte der Vorsitzende Richter. Mildernd habe - neben dem, wenn auch verspäteten, Geständnis - gewirkt, dass noch rund 20 Mill. Euro sichergestellt werden konnten.

Der Richter verwies in der Urteilsverkündung deutlich auf die zweifelhafte Rolle der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die jahrelang die Bilanzen testiert und erst im Februar 2002 ihr Mandat niedergelegt hatte. "Die Wirtschaftsprüfer haben wohl nur die Papierlage beurteilt", so Wiegand. Schnabels Rechtsanwalt Thomas Pfister sagte in seinem Plädoyer, nicht nur Schnabel, sondern auch die KPMG sei ein trauriger Held in der Geschichte. Auch der Aufsichtsrat habe keine gute Rolle gespielt.

Das Unternehmen teilte am Abend mit, dass die Bilanzen der Jahre 1999 bis 2001 jetzt neu erstellt und von Wirtschaftsprüfern testiert werden müssten. Dies würde noch bis nächstes Jahr dauern.

Quelle: Handelsblatt

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