Urteil ist rechtskräftig
Bewährungsstrafe für Kim Schmitz

Im Münchner Prozess um verbotenen Insiderhandel ist der Internet-Unternehmer Kim Schmitz am Montag zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden.

dpa MÜNCHEN. Außerdem verhängte das Amtsgericht eine Geldbuße in Höhe von 100 000 Euro. Das Gericht folgte damit dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass der 28 Jahre alte einstige Computer-Hacker unter Ausnutzung interner Informationen die Aktienkurse einer Firma hochgetrieben und dabei illegal einen Millionengewinn erzielt hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Verteidigung wertete das zuvor in einem Einigungsgespräch zustande gekommene Urteil als "Kompromiss".

Mit Schmitz stand eine der schillerndsten Figuren der New Economy in Deutschland wegen Insiderhandels vor Gericht. Der Drei-Zentner-Mann, der Anfang des Jahres in einem Luxushotel in Bangkok verhaftet worden war, hatte zu Prozessauftakt noch seine Unschuld beteuert. Alle Vorwürfe gegen ihn seien "völlig unberechtigt, denn ich bin unschuldig", beteuerte Schmitz vor Gericht.

In seinem Schlusswort sagte er zum Prozessverlauf lediglich: "Mir fällt dazu nicht mehr viel ein". Als strafmildernd wertete die Richterin, dass Schmitz den Sachverhalt objektiv einräumte und nur abstritt, als Insider aufgetreten zu sein. Nach dem Urteilsspruch reckte er die Finger zum Siegeszeichen in die Höhe. Schmitz deutete an, ins Ausland gehen zu wollen.

De Staatsanwältin hatte dem Angeklagten zu Prozessbeginn elf Fälle von Insiderhandel aufgelistet, mit denen Schmitz sich einen Gewinn von mehr als 1,1 Millionen Euro erschlichen haben soll. Laut Anklage hatte er dem Vorstandsvorsitzenden des niederländischen Internet-Unternehmens Letsbuyit.com seine Bereitschaft signalisiert, 1,15 Millionen Euro zur Abwendung eines drohenden Konkurses zu investieren. Im Gegenzug sollte dieser eine positive Ad-hoc-Meldung mit dem Ziel eines Kursanstiegs der Firmenaktien herausgeben. Tatsächlich stiegen die Aktien Anfang 2001 um mehr als 100 Prozent, Schmitz machte mit den Wertpapieren erheblichen Gewinn.

Aktiengeschäfte mit Hilfe von Insider-Informationen sind in Deutschland seit 1995 unter Strafe gestellt. Die Münchner Richterin hatte zum Auftakt des von einem starken Medienandrang begleiteten Prozesses betont, dass erstmals ein firmenfremder Investor wegen Insiderhandels angeklagt sei. Bei den bisherigen Fällen habe es sich stets um Mitarbeiter einer Firma gehandelt, die mit internen Informationen Gewinne erschlichen hätten.

Schmitz, Chef der Münchner Kimvestor AG, beharrte bis zuletzt auf seiner Unschuld. Auf Bitten der Führung von Letsbuyit.com habe er die Aktien der angeschlagenen Firma erworben, gab der 28-Jährige zu Protokoll. Ihm sei damals auch versichert worden, dass sein Vorgehen völlig legal sei, hieß es in einer 30 Seiten starken Erklärung. Nach Thailand sei er schließlich vor Gläubigern aus dem Rotlicht-Milieu, nicht aber vor den Ermittlungsbehörden geflüchtet.

"Kimble", wie sich der schillernde Internet-Unternehmer nach dem Protagonisten einer TV-Serie der 70er Jahre nennt, wurde vor Jahren schon zwei Mal wegen Betrugs bestraft. Danach startete der Hacker dann seine steile Karriere als Chef der Kimvestor AG. Anfang des Jahres wurde gegen Schmitz Haftbefehl erlassen, er hatte sich jedoch bereits nach Bangkok abgesetzt. Dort kamen ihm aber wenig später Zielfahnder des Bundeskriminalamtes auf die Spur.

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