Urteil wird voraussichtlich am 18. Dezember verkündet
Mildere Strafen im FlowTex-Prozess gefordert

Im FlowTex-Prozess um eines der größten Wirtschaftsverbrechen der vergangenen Jahre haben die Verteidiger für die Hauptangeklagten Strafen deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefordert. Ein konkretes Strafmaß nannten die Verteidiger von Manfred Schmider und Klaus Kleiser am Dienstag vor dem Mannheimer Landgericht allerdings nicht.

Reuters MANNHEIM. Die Staatsanwaltschaft hatte für den ehemaligen FlowTex-Chef Schmider zwölf Jahre und fünf Monate und für seinen Geschäftspartner elf Jahre und zwei Monate Haft beantragt. Die Angeklagten sollen nicht existierende Bohrsysteme vermietet und so einen Schaden von mehr als 4 Mrd. DM angerichtet haben. Das Urteil wird vermutlich am 18. Dezember verkündet.

Die Verteidiger begründeten ihre Forderung nach einer milderen Strafe damit, dass der Schaden ihrer Auffassung nach lediglich rund 1,6 Mrd. DM betrage. Dies müsse bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden, da die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer von einem Schaden in Höhe von 4,3 Mrd. DM ausgehe. Schmider und Kleiser sollen über Jahre hinweg etwa 2 700 nicht existierende Horizontalbohrsysteme an Banken und Leasinggesellschaften vermietet haben.

Die Verteidiger kritisierten die Staatsanwaltschaft, die versucht habe, den Betrugsschaden in Einzelstrafen aufzuteilen und daraus eine Gesamtfreiheitsstrafe zu berechnen. Die umfassenden Geständnisse von Schmider und Kleiser würden dabei zu wenig berücksichtigt. Die Verteidiger verwiesen auf die bundesweit übliche Verurteilungspraxis bei besonders schweren Betrugsfällen. So sei das Landgericht Bielefeld im Balsam-Prozess von einem Schaden in Höhe von 1,4 Mrd. DM ausgegangen. Es habe den Hauptangeklagten zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt, obwohl er zunächst geflohen sei.

Dagegen hätten sich Schmider und Kleiser freiwillig gestellt und seien von Anfang an voll geständig gewesen, erklärten die Verteidiger. Ihre Geständnisse hätten den Prozess erheblich verkürzt. Zudem forderten die Verteidiger, die Haftbefehle nach der Urteilsverkündung gegen die Hinterlegung einer Kaution und Meldeauflagen zunächst auszusetzen, da die beiden Angeklagten bereits seit 23 Monaten in Untersuchungshaft säßen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%