US-Aktienkurse könnten aus Enttäuschung fallen
Euro legt vor US-Zinsentscheid deutlich zu

Die Aussicht auf die bevorstehende Leitzinssenkung in den USA haben den Euro am Dienstagvormittag beflügelt und wichtige technische Marken überwinden lassen. Die Gemeinschaftswährung gewann in der Spitze mehr als einen halben US-Cent auf 0,9058 $ und kletterte knapp über 111 Yen.

rtr FRANKFURT. Die Finanzmärkte rechnen fest mit der dritten US-Leitzinssenkung dieses Jahres, sind jedoch nicht sicher, ob die US-Notenbank den Schlüsselzins um 50 oder 75 Basispunkte senken wird. Beide Varianten brachten den $ im Vorfeld nach Händlerangaben unter Druck. Sollte es die Fed bei einem halben Prozentpunkt lassen, könnten die US-Aktienkurse aus Enttäuschung fallen. Entscheidet sie sich für 75 Basispunkte, würde die Zinsdifferenz zur Euro-Zone schrumpfen.

Gegen 10.40 Uhr MEZ notierte der Euro bei 0,9023/26 $. Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank wird gegen 20.15 Uhr MEZ veröffentlicht. "Das ist ein ganz normales Zinsspiel", sagte ein Händler in Frankfurt zum Euro-Anstieg. Der Markt sei immer sicherer, dass die US-Notenbank sich zu einer 75-Basispunkte-Senkung entschließen werde. Neil MacKinnon von Merrill Lynch in London sagte mit Blick auf die 50-Basispunkte-Variante: "Die Aktienmärkte wären dann enttäuscht, das könnte zu weiteren Gewinnmitnahmen beim $ führen, wenn auch nicht zu sehr großen". Der $ hatte zum Euro in der vergangenen Woche etwas mehr als vier US-Cents auf ein Dreimonatshoch von 0,8922 US-Cent gewonnen. Dies hatten Händler unter anderem mit der zögerlichen Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) begründet, die als einzige der drei führenden Notenbanken die Zinsen noch nicht gelockert hat. Der Kursanstieg des $ sei vielleicht übertrieben gewesen, hieß es nun.

Auch starke Verkäufe des Yen gegen den Euro hätten der Gemeinschaftswährung zusätzlich Auftrieb verliehen, sagte ein Händler. Die Devisenhändler warteten allerdings auf die US-Zinsentscheidung, die um 20.15 Uhr MEZ verkündet wird. Die Umsätze seien deshalb sehr gering. Technischen Analysten zufolge hat der Euro mit 0,9015 und 0,9050 $ am Morgen vorüubergehend wichtige Widerstände überwunden. Da der Euro noch immer über seinem mittelfristigen Aufwärtstrend vom Oktober vergangenen Jahres liege, bestehe Hoffnung auf eine Stabilisierung über 90 US-Cent, hieß es in einem Kommentar der DG Bank. Zum Yen, der wegen der Skepsis über die japanische Wirtschaft weiter unter Druck steht, kletterte der Euro knapp über 111 Yen, nachdem er die Hürde von 110,80 Yen genommen hatte. Ein $ kostete 122,90/95 Yen.

Feiertag in Japan

Wegen des Feiertages in Japan gebe es keine Nachrichten, die die japanische Währung stützen könne, sagten Analysten. Die DG Bank sieht nun Kurspotenzial für den Euro bis auf 112,00/20 Yen. Nach der faktischen Rückkehr der japanischen Notenbank (BoJ) zur Nullzinspolitik war der Yen am Montag auf ein neues 22-Monatstief von 123,61 Yen gefallen. Seither hat sich die Währung etwas erholt, doch nach Händleraussagen herrscht weiter Skepsis über die Wirksamkeit der von der BoJ beschlossenen Liquiditätsmaßnahmen. Auch eine gezielte Schwächung des Yen durch die Regierung, die die Exporte der krisengeschüttelten japanischen Wirtschaft ankurbeln könnte, wird weiterhin nicht ausgeschlossen. Daran habe auch der Umstand nichts geändert, dass der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori und US-Präsident George Bush bei ihrem Treffen am Montag keine Stellungnahme zur Währungspolitik abgaben.

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