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US-Arbeitslosenquote im Januar unerwartet gesunken

Erstmals seit acht Monaten ist die Arbeitslosenquote in den USA wieder gefallen. Den überraschenden Rückgang führte das Arbeitsministerium am Freitag aber vor allem auf statistische Faktoren zurück.

rtr WASHINGTON. Die Quote sank im Januar auf 5,6 % von seinem Sechs-Jahres-Hoch bei 5,8 % im Dezember. Zugleich ging die Beschäftigung weiter zurück. Analysten, die mit einem erneuten Anstieg auf 5,9 % gerechnet hatten, prognostizierten eine zunächst weiter schwache Arbeitsmarktentwicklung. Sie hielten dennoch an ihrer Einschätzung fest, wonach die US-Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. Indizien für eine Belebung der Wirtschaft lieferten das im Januar auf das höchste Niveau seit einem Jahr gestiegene Verbrauchervertrauen und der erneut höhere Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager.

Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft verringerte sich den Angaben zufolge saisonbereinigt um weitere 89 000 nach einem Minus von 130 000 im Vormonat. Nach dem Bericht des Arbeitsministeriums blieben die als wichtiger Indikator für die Entwicklung der Inflation in den USA geltenden durchschnittlichen Stundenlöhne der US-Arbeiter mit 14,59 Dollar unverändert. Der Einzelhandel sei im Januar eine der wenigen Branchen gewesen, die deutlich mehr Personal einsgestellt hätten. Hier seien 62 000 neue Stellen geschaffen worden. Dagegen seien in den Fabriken des Landes 89 000 und in der Bauwirtschaft 54 000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Analysten gehen davon aus, dass sich die Lage am US-Arbeitsmarkt noch für eine ganze Weile nicht verbessern wird, obwohl die Wirtschaft offenbar allmählich wieder Tritt fasst. Die US-Konjunktur steckt seit März vergangenen Jahres in einer Rezession. Zwar wurde der Rückgang der Arbeitslosenquote als positiv gewertet. Doch ging zugleich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit zurück - und zwar sowohl im Privatsektor als auch in der Industrie. Enttäuscht äußerten sich Volkswirte darüber, dass sich der Stellenabbau im Januar offenbar auf das Verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft konzentriert hat. Angesichts der milden Witterung sei am Bau mit einer positiven Entwicklung gerechnet worden. 2001 hatte vor allem der Wohnbau-Sektor der Rezession in den USA widerstanden. Die privaten Bauinvestitionen waren um 0,3 % auf 657,2 Mrd. Dollar gestiegen.

Lynn Reaser, Chefvolkswirtin bei Banc of America Capital Management sagte: "Wir rechnen damit, dass die Arbeitslosigkeit zum Ende dieses Quartals die Talsohle erreicht. Das wird dann wirklich ein Signal dafür sein, dass die Rezession zu Ende ist". An den Finanzmärkten lösten die Daten keine spürbare Reaktion aus.

Andere Analysten merkten dazu an, die US-Notenbank (Fed) werde die US-Leitzinsen trotz der bisherigen Anzeichen einer Konjunkturbelebung vorerst nicht erhöhen. Traditionell straffe die Fed nicht ihre Geldpolitik, bevor sich die Arbeitslosenquote stabilisiert habe. Am Mittwoch dieser Woche hatte die Fed ihren Schlüsselzins mit 1,75 % unverändert gelassen, nachdem sie im Vorjahr die Leitzinsen in elf Schritten um insgesamt 4,75 % gesenkt hatte, um die schwache Konjunktur anzuregen.

Einen Hinweis auf eine allmähliche Belebung der US-Wirtschaft lieferte am Freitag der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan. Mit einem Anstieg im Januar auf 93,0 von 88,8 Punkten im Vormonat erreichte der Index zwar nicht ganz die Schätzungen von Analysten. Doch der Teilindex, der die Erwartungen der Verbraucher für die kommenden zwölf Monate widerspiegelt, schnellte auf 91,3 von 82,3 Punkten in die Höhe. Von den Finanzmärkten wird dieser Index besonders beachtet, weil er Aufschlüsse auf das für die Gesamtwirtschaft wichtige Konsumverhalten der amerikanischen Verbraucher gibt. Immerhin entfallen rund zwei Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf den privaten Verbrauch.

Anzeichen einer Erholung zeigen sich auch im Verarbeitenden Gewerbe der USA, das von der seit März 2001 dauernden Rezession am härtesten getroffen war. Das Institute for Supply Management (ISM - früher NAPM) teilte mit, sein Konjunkturindex sei nunmehr im dritten Monat hintereinander auf jetzt 49,9 von 48,1 Punkten im Dezember gestiegen. Damit übertraf der Index die von Analysten erwarteten 49,4 Punkte leicht. Ein Indexstand von weniger als 50 Punkten zeigt eine Abschwächung, ein Stand darüber eine wirtschaftliche Expansion. "Der Verarbeitende Sektor war der schwache Punkt der Wirtschaft. Er hat jetzt ein weiteres Signal der Erholung gezeigt. Die Auftragseingänge und die Produktion liegen seit zwei Monaten über 50 Punkten. Das ist ein sehr positives Signal", sagte Analystin Reaser.

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