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US-Arbeitsmarktzahlen zeigen keine Konjunkturerholung

Der überraschend deutliche Stellenrückgang in den USA im Juni signalisiert nach Ansicht von Analysten, dass eine Erholung der weltweit größten Volkswirtschaft noch nicht in Sicht ist.

rtr WASHINGTON. Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte, schrumpfte die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Vergleich zum Vormonat um 114 000 Stellen nach einem revidierten Plus von 8 000 im Mai. Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang um 44 000 Stellen prognostiziert. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,5 von 4,4 % im Mai. Die Daten verstärken nach Ansicht von Volkswirten die Markterwartungen einer erneuten Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed im August. Der Euro kletterte auf ein vorläufiges Tageshoch über 0,84 Dollar.

Trotz jüngster Anzeichen für eine mögliche Bodenbildung der US-Konjunktur sind die Volkswirte nach den Arbeitsmarktdaten skeptisch über die weitere Entwicklung. "Die US-Wirtschaft ist klar zum Stillstand gekommen und wird im zweiten Quartal bestenfalls ein Nullwachstum aufweisen", sagte Alan Ruskin von 4Cast Ltd in New York. Auch nach Ansicht von Barbara Lambrecht von der Commerzbank ist eine Erholung in den USA noch nicht zu erkennen. "Der Investitionsausblick ist weiter kritisch", sagte sie. Das zweite Quartal werde wohl das schwächste in diesem Jahr werden. Ab dem dritten Vierteljahr könne es wieder aufwärts gehen. Für das Gesamtjahr 2001 erwartet Lambrecht ein Wachstum von 1,5 %. Im ersten Quartal war die US-Wirtschaft um 1,2 % gewachsen. Der viel beachtete Konjunkturindex der Nationalen Vereinigung der Einkaufsmanager (NAPM) war im Juni überraschend deutlich gestiegen und hatte Hoffnungen auf eine rasche Erholung der US-Konjunktur aufkeimen lassen.

Analysten erwarten weitere Zinssenkung

Mit Blick auf die weitere Zinspolitik der US-Notenbank sagten die Experten nach den Arbeitsmarktdaten überwiegend eine weitere Lockerung im August voraus. "Die Zahlen zeigen, dass die Fed noch immer im Spiel ist", sagte Bob Lynch von BNP Paribas in New York. Auch die geringe Beschleunigung der Lohn-Inflation im Juni schaffe Spielraum für eine erneute Zinssenkung, ergänzte Stuart Hoffman von PNC Capital Markets. Der durchschnittliche Stundenlohn, ein Indikator für die Inflationsentwicklung in den USA, stieg im Juni den Angaben des Arbeitsministeriums zufolge um 0,3 % auf 14,29 Dollar. Volkswirtin Lambrecht rechnet im August jedoch mit dem Ende des Zinssenkungszyklus der Fed. "Zur Absicherung ihrer früheren Schritte wird die Fed im nächsten Monat ein letztes Mal tätig werden", sagte die Analystin.

Die US-Notenbank Fed hat in diesem Jahr bereits sechs Mal die Leitzinsen um insgesamt 275 Basispunkte auf 3,75 % im Schlüsselzins gesenkt, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. Nach ihrer vergangenen geldpolitischen Lockerung Ende Juni hatte sich die Fed besorgt über eine fortgesetzte Abschwächung der US-Konjunktur geäußert und damit Analysten zufolge weitere Handlungsbereitschaft signalisiert.

Der Euro kletterte nach den Daten auf ein vorläufiges Tageshoch bei 0,8427 Dollar. Die US-Aktienmärkten eröffneten eine Stunde nach Bekanntgabe der Daten im Minus. Der Dow-Jones-Index verlor kurz nach Handelsbeginn 0,92 % auf 10 380 Zähler. Die technologielastige Nasdaq gab 2,14 % auf 2035 Punkte ab. Die Kurse an den US-Kreditmärkten drehten zeitweise ins Minus. Die europäischen Aktien- und Rentenmärkte reagierten dagegen kaum auf die US-Daten.

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