US-Aufschwung in Sicht
Kommentar: Trügerische Signale der Wirtschaft

Die Signale sind nur scheinbar eindeutig: Amerika hat die wirtschaftliche Talsohle erreicht, ein neuer Aufschwung ist in Sichtweite. Die so genannten Leading Indicators, ein Bündel von Frühindikatoren, haben diesen Trend jetzt noch einmal untermauert. Der Index klettert seit vier Monaten und verbuchte im Januar einen überraschend starken Zuwachs von 0,6 %.

Sollte die Erholung in den kommenden Monaten an Tempo und Breite gewinnen, wären die USA mit einem blauen Auge davongekommen. Kaum eine Rezession war kürzer und milder als diese. Zu verdanken ist das vor allem den unerschütterlichen US-Verbrauchern, die sich von Terroranschlägen, Milzbrand-Panik und Rezessionsängsten ihre Konsumfreude nicht verderben lassen.

Der Rest der Welt wird in die Hände klatschen. Hat man sich doch in Europa und Japan daran gewöhnt, auf wirtschaftliche Impulse aus Amerika zu warten. Von den vollmundigen Plänen der Europäer, die USA als Lokomotive der Weltwirtschaft abzulösen, ist nichts übrig geblieben. Das ist nicht nur blamabel für die Euro-Zone, sondern auch äußerst riskant.

Die guten Nachrichten aus den USA täuschen derzeit darüber hinweg, dass sich die größte Volkswirtschaft der Erde nach wie vor in einer gefährlichen Schieflage befindet. Verbraucher und Unternehmen sind hoch verschuldet, das ganze Land lebt über seine Verhältnisse. Amerika wird mit einem Leistungsbilanzdefizit von etwa 4 % in den nächsten Aufschwung gehen.

Das Wachstum findet in den USA statt, das Geld kommt aus dem Ausland. Diese ungleiche Rollenverteilung ist auf Dauer nicht durchzuhalten. Die USA müssen eine Zeit lang kürzer treten, wenn es nicht zu einer krisenhaften Anpassung kommen soll. Das bedeutet aber auch: Die anderen, allen voran die Europäer, müssen mehr für das Wachstum tun.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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