US-Außenministerium fordert Verhaftung
Moskau würde Milosevic nicht ausliefern

Ob Milosevic der Einladung des russischen Präsidenten Putin folgt bleibt ungewiss, eine Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag käme aus Sicht der Russen allerdings nicht in Frage.

dpa MOSKAU. Russland würde den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic bei einer Einreise nach Moskau nicht an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausliefern. Diese Ansicht vertrat am Mittwoch der Leiter des außenpolitischen Ausschusses der Duma, Dmitri Rogosin. Er reagierte damit auf entsprechende Forderungen des US-Außenministeriums, die er nach Angaben der Agentur Interfax als "Heuchelei" bewertete. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Milosevic und den Oppositionsführer Vojislav Kostunica nach der umstrittenen Wahl zu Krisengesprächen nach Moskau eingeladen.

Bis Mittwoch hatte keiner der beiden Kontrahenten im Wahlkonflikt Jugoslawiens auf die Einladung Putins geantwortet. "Wenn sie auf diesen Vorschlag nicht eingehen und nicht nach Moskau kommen, so ist das ihre Entscheidung", sagte Außenminister Igor Iwanow am Rande des Putin-Staatsbesuchs in der indischen Stadt Bombay. "Es gibt keine Vorbedingungen für dieses Treffen, wir schlagen nur einen Dialog zur Suche nach einem Kompromiss vor."

Rogosin übte scharfe Kritik an der Haltung des Westens. "Der Westen fordert einerseits Russland heimlich auf, über den politischen Dialog Einfluss auf Jugoslawien auszuüben", wurde Rogosin von Interfax zitiert. "Andererseits wird in der Öffentlichkeit verlangt, dass Milosevic verhaftet und vor Gericht gestellt werden muss." Das US-Außenministerium hatte nach russischen Medienberichten Russland zur Verhaftung Milosevics bei einer Einreise aufgefordert.

Das russische Parlament rief den Westen auf, seine Einmischung in die Ereignisse in Jugoslawien zu beenden. In einer mehrheitlich verabschiedeten Erklärung wurden die westlichen Staaten nach Angaben von Interfax aufgefordert, den Druck und die Sanktionen gegen Jugoslawien aufzuheben, damit dieses Land einen "würdigen Platz" in der internationalen Gemeinschaft einnehmen könne.

Alle Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit den Wahlen sollten "auf zivilisierte Weise im Rahmen der Gesetze und auf Grundlage der dokumentarisch festgehaltenen Tatsachen" bereinigt werden. Die Duma-Abgeordneten unterstrichen, dass der neue Präsident Jugoslawiens "auf demokratischem Weg" bestimmt werden solle.

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