US-Autoabsatz hat sich erholt
Preiskampf in USA macht deutschen Autobauern zu schaffen

Massive Rabatte und Kaufanreize der US-Autokonzerne wie zinslose Darlehen machen den deutschen Herstellern in den USA zunehmend zu schaffen. Im August verlor die Mehrzahl von ihnen in den USA Marktanteile, Volkswagen büßte beim Absatz gar gut zehn Prozent ein.

Reuters DETROIT/FRANKFURT. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt sprach am Donnerstag zwar dennoch von einem insgesamt erfreulichen US-Absatzzuwachs aller deutschen Hersteller von 5,4 Prozent. Der VDA zeigte sich aber besorgt hinsichtlich der US-Praxis, die Kundschaft angesichts der anhaltenden Konsumflaute mit zinslosen Krediten zum Autokauf zu bewegen.

Lediglich BMW legte im August ähnlich stark zu wie der gesamte US-Markt, der um 13,2 Prozent wuchs. BMW verkaufte nach Angaben von Mittwochabend mit 22 315 Fahrzeugen 12,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Porsche steigerte seinen US-Absatz lediglich um 3,5 Prozent auf knapp 2 000 Fahrzeuge.

Volkswagen of America verzeichnete dagegen mit seiner Marke einen Rückgang von 10,1 Prozent auf 34 810 Autos. Konkrete Angaben, welche der in den USA angebotenen Modelle besonders von Einbußen betroffen waren, lagen bei VW am Donnerstag in Wolfsburg zunächst nicht vor. Der August sei im Vorjahr aber auch ein besonders absatzstarker Monat gewesen, hieß es. Die Konzerntochter Audi büßte hingegen nur 0,4 Prozent ein und verkaufte gut 7 700 Fahrzeuge.

Während der Daimler-Chrysler-Konzern mit seiner US-Marke Chrysler am stärksten um 24 Prozent zulegte, verlor die Marke Mercedes in den USA im August drei Prozent und verkaufte 18.348 Autos. Auch die anderen US-Hersteller neben Chrysler profitierten nach Einschätzung von Volkswirten und Analysten ausnahmslos von ihren Rabatten und zinslosen Krediten für den Autokauf, die allerdings auch die Gewinnmargen drücken. General Motors (GM) und Ford verkauften 18 beziehungsweise 8,2 Prozent mehr. Die meisten japanischen Autobauer legten ebenso zweistellig zu.

VDA-Chef Gottschalk besorgt über zinslose Kredite

Der VDA wertete den Absatzzuwachs von 5,4 Prozent der deutschen Autobauer bei den Neuzulassungen im August angesichts der schwierigen Bedingungen als Erfolg. "Wir sehen darin ein Zeichen der nachhaltigen Attraktivität der deutschen Modelle auf dem hart umkämpften US-Markt", sagte Verbands-Präsident Bernd Gottschalk. Sorgen bereite allerdings die Tendenz, das Instrument der "Null-Prozent-Finanzierung" weiterhin einzusetzen. "Auch die Automobilhersteller aus Asien haben sich anstecken lassen. Wir halten jedoch diesen Weg mittel- und langfristig für eine Sackgasse", sagte Gottschalk.

US-Konzerne behalten Rabatte und zinslose Kredite bei

Mehrere US-Hersteller kündigten an, mit Rabatten und zinslosen Kaufkrediten auch 2003 die Kundschaft zu locken. "Wir wollen weiter eine aggressive Strategie fahren", sagte Chef-Branchenanalyst Paul Ballew von General Motors. Chrysler signalisierte ebenfalls, die nach den Anschlägen vom 11. September gestarteten Kaufanreize fortsetzen zu wollen. Branchenkenner rechnen damit, dass auch Ford nachzieht.

Die deutschen Hersteller haben dem Preisdruck bislang nur wenig nachgegeben, um die Gewinnmargen einigermaßen stabil zu halten. Bei längerfristigen Absatzeinbußen könnten sie nach Einschätzung von Experten mittelfristig aber unter Druck geraten. "Der Preisdruck durch die US-Hersteller und das Interesse an einem angemessenen Wert pro verkauftem Fahrzeug könnten dann nicht mehr vereinbar sein", sagte Patrick Juchemich, Autoanalyst von Sal. Oppenheim. Momentan sei der Absatzverlust von gut 4 000 Modellen bei VW und Audi noch kein großes Problem. Sollte sich dieser Trend aber fortsetzen, müsse VW seine bisherige Strategie möglicherweise überdenken.

Sebastian Stein von der Bankgesellschaft bezeichnet die Absatzentwicklung bei den deutschen Herstellern in den USA als schlechter als noch zu Jahresbeginn erwartet. Allerdings seien die August-Zahlen nicht unbedingt repräsentativ. Dem Trend zur Verkaufsförderung könnten sich die deutschen Autobauer aber womöglich nicht ganz verschließen, sagte Stein.

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