US-Automobilhersteller General Motors erwartet in Europa keine wesentliche Besserung
GM-Chef Wagoner räumt Fehler bei Opel ein

General Motors (GM) rechnet nicht damit, in diesem Jahr den Automobilabsatz auf dem europäischen Markt wesentlich steigern zu können. In den kommenden zwölf Monaten wird wahrscheinlich dasselbe Verkaufsergebnis wie im Jahr 2000 erreicht. Gleichzeitig will GM in Europa wieder aus den roten Zahlen herauskommen.

DETROIT. "Europa wird sich in diesem Jahr ähnlich wie 2000 entwickeln", prognostiziert General-Motors-Konzernchef Rick Wagoner auf der Detroit Motor Show. Für Deutschland gebe es "einige Hoffnung", sagt der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der westeuropäische Automobilmarkt war im vergangenen Jahr leicht geschrumpft, der deutsche Markt brach um 10 % ein. General Motors (GM) und dessen deutsche Tochter Opel sind von diesem Nachfragerückgang zusammen mit Ford am stärksten getroffen worden.

Wagoner verspricht Verbesserungen auf der Ertragsseite. Die Verluste aus den beiden letzten Quartalen des vergangenen Jahres sollen sich 2001 nicht wiederholen. Bei GM Europa hat sich in den vergangenen sechs Monaten ein Fehlbetrag von mehreren 100 Mill. $ aufgebaut. Der überwiegende Teil der Verluste entfällt dabei auf die deutsche GM-Tochter Opel.

Für die schlechte Ertragsentwicklung auf dem europäischen Markt macht Wagoner zum Teil den Trend zu mehr Kleinwagen verantwortlich. Grundsätzlich wird in der Automobilindustrie mehr Geld mit größeren Autos verdient. Nach den Worten Wagoners hat Opel in Europa zudem Image-Probleme. Von GM und Opel selbst verschuldet seien die zu langen Produktzyklen beim Vectra in der Mittelklasse und im oberen Fahrzeugsegment beim Omega. Beide Modelle hätten früher durch einen Nachfolger ersetzt werden müssen.

Wagoner macht keine genauen Angaben dazu, was in der Oberklasse mit dem Omega passieren wird. "Wir wollen in diesem Segment vertreten bleiben", sagt er. Opel hatte noch im alten Jahr das Projekt für einen großen Omega mit Acht-Zylinder-Motor ersatzlos gestrichen.

Zu den Spekulationen um eine baldige Ablösung von Opel-Vorstandschef Robert Hendry äußert sich Wagoner nicht. "Wir haben ein gutes Management-Team in Europa", betont er. Allerdings räumt er ein, dass es bei Opel künftig wieder mehr Deutsche in Toppositionen - auch an der Spitze des Unternehmens - geben sollte. "Allerdings nicht um jeden Preis", hebt Rick Wagoner hervor. Dem US-Amerikaner Hendry war zuletzt besonders vom Opel-Aufsichtsrat vorgehalten worden, dass er sich zu wenig um die deutschen Besonderheiten des Unternehmens kümmere. Als möglicher Hendry-Nachfolger wird bei Opel der frühere BMW-Produktionsvorstand Carl-Peter Forster gehandelt.

Trotz der gegenwärtigen Absatzkrise in den USA und in Europa sieht Wagoner keine Veranlassung, über eine Auflösung der GM-Europa-Zentrale in Zürich nachzudenken und damit Kosten zu senken. "Zürich bringt uns eine ganze Menge", sagt der Konzernchef. Es müsse allerdings dafür gesorgt werden, dass Zürich und die anderen europäischen GM-Tochtergesellschaften wie Opel keine Doppelarbeit leisteten.

Für die USA hatte GM zu Wochenbeginn eine erneute Rücknahme seiner geplanten Produktionszahlen im ersten Quartal des neuen Jahres verkündet. Statt 1,3 Millionen sollen jetzt nur 1,2 Millionen Fahrzeuge bis Ende März gefertigt werden.

Die aktuellen Absatzprobleme in den USA werden aus Sicht von Wagoner nicht dazu führen, dass die europäischen Töchter stärker sparen müssen. "In Europa hatten wir noch nie ein solch starkes Produktprogramm wie heute", betont Wagoner. Im Dezember hatte GM noch ein weltweites Sparprogramm verkündet, das unter anderem die Schließung einer Pkw-Fabrik im englischen Luton vorsieht.

Der neue GM-Finanzvorstand John Devine erwartet keine anhaltende Absatzkrise auf dem US-Markt. Durch die Auflösung von Lagerbeständen werde sich schon in den kommenden Monaten eine deutliche Entspannung ergeben. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten wie Inflation und Produktivitätsentwicklung sprächen dafür, dass sich der Absatz in den USA schon bald wieder erholen werde.

Nach den Worten Devines verfolgt General Motors ernsthaft das Ziel, seine Technologie-Tochter Hughes Electronics zügig zu verkaufen. "Wir arbeiten daran", unterstreicht der Finanzvorstand von GM. Unabhängig von einem möglichen Verkauf von Hughes werde General Motors versuchen, den Aktienkurs des Unternehmens allein aus dem Automobilgeschäft heraus zu verbessern. GM müsse unbedingt die Rendite der Fahrzeug-Fertigung steigern. Mit 5 % sei sie heute noch viel zu niedrig. Über den Verkauf von Hughes Electronics war im vergangenen Jahr mehrfach spekuliert worden; die Folge waren deshalb starke Kursausschläge der General-Motors-Aktie.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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